Arbeitskreis Konfrontationen

Künstler und Zeuge

Ein Interviewprojekt mit überlebenden Künstlern der Shoa

In der ersten Phase des Projekts Kunst als Zeugnis haben wir künstlerische Zeugnisse von ermordeten und überlebenden Künstlern in den Archiven der Gedenkstätten Ravensbrück, Buchenwald, Mittelbau Dora und Sachsenhausen recherchiert. Diese Zeichnungen, Skizzen und Malereien, die in ihrer künstlerischen Ausdruckskraft für sich stehen, dokumentieren in einzigartiger Form das Lagergeschehen aus der Perspektive der Häftlinge. In der folgenden pädagogischen Erprobungsphase von Kunst als Zeugnis zeigte sich, dass an die Beschäftigung mit den künstlerischen Werken ehemaliger Häftlinge eine weitergehende Auseinandersetzung mit ihrem Selbstverständnis als Künstler, als Überlebender, mit ihrer künstlerischen Entwicklung und nicht zuletzt ihrer Biographie folgerichtig anschließen sollte. Hieraus entstand die Idee für das Interviewprojekt Künstler und Zeuge.

Kunstwerke sind Ausdruck der individuellen ästhetischen Auseinandersetzung der Künstlerin oder des Künstlers mit der Wirklichkeit, der Gesellschaft und mit der Kultur, in der er oder sie lebt. Bilder und Zeichnungen, die in den Konzentrationslagern entstanden sind, spiegeln die Auseinandersetzung mit einer präzedenzlosen Realität wieder. In der Konsequenz erklärt sich daraus der individuelle Drang, ja die empfundene Pflicht des Zeugnisablegens in Form einer bildlichen Dokumentation. Diesen schmalen Grad zwischen beweiskräftiger Realitätsabbildung und individueller künstlerischer Auseinandersetzung zu verdeutlichen und zu würdigen, ist ein Anliegen unseres Projekts Künstler und Zeuge. Die Auseinandersetzung mit den Künstlern und ihren Werken bietet zudem die Möglichkeit, sich an die verschiedenen Realitäten in den Konzentrations- und Vernichtungslagern anzunähern, ohne den Blick auf die Bildperspektive der Täter und Befreier zu reduzieren.

In den nächsten Monaten werden wir Interviews mit sieben überlebenden Künstlerinnen und Künstler in Israel, Polen, Frankreich und Österreich führen. Die Absicht ist dabei, sie über ihre Kunstwerke, ihre Entwicklung und die Bedeutung ihres Schaffens für das Weiterleben nach dem Überleben zu befragen. Daher spielen Kunstwerke/Zeichnungen aus der Zeit der Konzentrationslager eine ebenso zentrale Rolle, wie die künstlerische Auseinandersetzung mit der Zeit der Verfolgung nach 1945. Auch dieser Aspekt soll in den Interviews thematisiert werden. Zu den Zielstellungen des Interviewprojektes gehört neben der Dokumentation die Aufbereitung des Materials für die pädagogische Arbeit und die Kontrastierung der Sicht von überlebenden Künstlern mit derjenigen von postmemorialen Künstlern wie Horst Hoheisel und Stuart N.R. Wolfe.

In der ersten Projektphase von Künstler und Zeuge, die sich bis ins Frühjahr 2008 erstrecken wird, werden filmisch dokumentierte Interviews geführt, geschnitten und in digitaler Form aufbereitet. Zum Abschluss des Projekts stehen die Interviews in Form einer DVD der schulischen wie außerschulischen historischen Bildungsarbeit zur Verfügung. Hier ist insbesondere die Nutzung und Einbindung der DVDs in die pädagogische Arbeit an den Gedenkstätten geplant, mit denen bereits über das Projekt Kunst als Zeugnis Kooperationen entstanden sind. In einer zweiten Phase soll das Material zusammen mit einem Filmheft pädagogisch aufbereitet und gegebenenfalls als Ausstellung präsentiert werden.

Erste Ausschnitte der Videos werden voraussichtlich gegen Ende des Jahres hier veröffentlicht. Sollten Sie Interesse am Projekt haben, setzen Sie sich mit uns in Verbindung.