Arbeitskreis Konfrontationen

Annäherungen an den Ort
Grundlegende Überlegungen

Die Konzentrationslager der NS-Zeit sind Orte, deren Geschichte weit über die Zeit von 1933-1945 hinausreicht. Die Spuren der mittlerweile über 60jährigen Gedenk- und Erinnerungskultur überlagern und überformen in vielen Schichten die originär nationalsozialistische Lagergeschichte(vgl. Abschnitt über Erinnerungskulturen). Zuallererst jedoch gelten die Lager als Inbegriff nationalsozialistischer Schreckensherrschaft schlechthin. Während ihres Regimes wurden sie zu Orten grenzenloser Rechtlosigkeit, von Terror und Vernichtung errichtet und ausgebaut und nach den Maßstäben höchster Effizienz verwaltet. In ihnen kulminierte ein Terrorregime, dass sich in seiner Brutalität ausschließlich durch zwei Perspektiven vermitteln lässt: durch die Perspektive der Inhaftierten und der Ermordeten und die der Täter. Nach 1945 wurden viele der Lager zunächst als Militärstützpunkte, als Internierungslager/Speziallager oder als Durchgangsstationen für Displaced Persons genutzt, bevor Gedenkstätten errichtet wurden. In den Gedenkstätten manifestieren sich dann die zeitgebundenen Perspektiven und Interpretationen der Zeitzeugen und der Nachgeborenen auf die Verbrechen in den Konzentrations- und Vernichtungslagern.

Es ist schwer, über das nationalsozialistische Lagersystem in Umfang und Größe genaue Aussagen zu treffen. Mit der steten Ausweitung des Lagersystems – erst in Deutschland und dann nach Ausbruch des Krieges in ganz Europa – gelang es der Reichsführung SS den entsprechenden verwaltenden Institutionen (Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt/WVHA), ein Satellitensystem von staatlichen Konzentrationslagern zu errichten, das unzählige Stamm- und Nebenlager umfasste. Die Zahlen über die Größe des Lagersystems differieren in der Forschungsliteratur. Der „Catalogue of Camps and Prisons in Germany and German-Occupied Territories 1939-1945“ gibt eine Aufstellung von 1.037 Stamm- und Nebenlagern im Kosmos der staatlichen Konzentrationslager und ihrer Außenkommandos an. 1 Gudrun Schwarz geht nach ihren Berechnungen von der Existenz von 22 Konzentrations-Hauptlagern und 1.202 KZ-Außenkommandos aus. 2 Im gesamten Lagersystem der Nationalsozialisten, einschließlich der Gettos, der Zwangsarbeits-, Arbeitserziehungs-, Straf- und Kriegsgefangenenlager, waren von 1933 bis zum Kriegsende etwa 18 Millionen Menschen inhaftiert. In den Kriegsjahren sind in den Lagern in ganz Europa etwa 11 Millionen Menschen gezielt vernichtet worden oder durch Entbehrungen und Folter umgekommen. 3

Die ehemaligen Lager sind dem heutigen Betrachter als Orte des Gedenkens an diesen Terror präsent und evozieren Bilder unfassbaren Grauens. Jene stützen sich auf Überlieferungen der Zeitzeugen, Dokumente der SS über die Vernichtungslager und Dokumentationen der Alliierten infolge der Befreiung im Schatten des zuende gehenden Krieges. Kunstwerke eröffnen Möglichkeiten, die Kommunikation über die historische Realität der Lager zu erweitern, da es schwierig erscheint, diesen kulturellen Bildervorrat in angemessene Worte zu übersetzen, um die Wirklichkeit des Lagerlebens für die Inhaftierten zu beschreiben. Als Beispiel für die Begrenztheit von Sprache mag der Begriff des „Muselmanns“ die tiefe Kluft zwischen Lagerwelt und dem außenstehenden Betrachter dieses Mikrokosmos anschaulich demonstrieren. 4 Es gibt verschiedene Mutmaßungen über die Herkunft dieser Bezeichnung. Der Begriff des „Muselmanns“, der sich in allen Lagersprachen fast einheitlich durchgesetzt hatte, beschreibt einen unmenschlichen Zustand, den es ausschließlich im Lager gab: ein Zustand äußerster körperlicher Erschöpfung und endgültiger psychischer Entkräftung. Oder mit anderen Worten ausgedrückt wird mit diesem Begriff die Verfassung eines Menschen umrissen, der schon zu Lebzeiten die Schwelle des Todes überschritten hatte und inmitten der Verrichtung der kleinsten alltäglichen Dinge vor Entkräftung starb. Folgt man den Spuren dieser Lagersprache, so wird schnell offenbar, dass der Entschlüsselung sprachlicher Codes zur Beschreibung der Lagerwirklichkeit enge Grenzen gesetzt sind.

Die ehemaligen Lager sind zudem Orte, an denen zwei konträre Perspektiven aufeinandertreffen, nämlich die der Inhaftierten und die der SS-Wachmannschaften. Die Perspektive der nationalsozialistischen Peiniger wird beispielhaft deutlich in der Umwertung traditionell bürgerlicher Tugenden wie „Anständigkeit“ und „Pflichterfüllung“, Tugenden, denen sich die Wachmannschaften und die SS-Lagerprominenz in ihren Reden und Schriften immer wieder versicherten. Im Kontext der Lager, also angesichts des Massensterbens und des Massenmords, geraten sie zu Formeln eines Mörderethos, der emotionslos und diszipliniert den brutalen Anforderungen der SS gerecht wurde und gleichzeitig garantierte, „persönlich anständig“ zu sein. 5 Die Kehrseite dieser SS-Moral der Täter ist die völlige Entmenschlichung der Gepeinigten und Ermordeten. Die Entmenschlichung der Inhaftierten in den Augen ihrer Peiniger vollzog sich in einzelnen grausamen und willkürlichen Handlungen, ebenso wie durch die strukturelle Gewalt des Lagers. Ein bestimmendes Merkmal dieser strukturellen Gewalt ist die Auflösung des Individuums in der seriellen Masse der Inhaftierten. Die in die Lager gepressten Menschenmassen erscheinen wie die in den Massengräbern Erschossenen den Tätern als namen- und gesichtslose „Opfer“, die jederzeit ausgetauscht und ersetzt wurden. 6 „Das Lager fraß die Menschen zu Hunderten; ohne ständige Neuzugänge an holländischen, tschechischen, belgischen, griechischen und schließlich ungarischen Juden hätte es nicht einen Monat existieren können.“ 7

Absolute Macht

Nun denke man sich einen Menschen, dem man, zusammen mit seinen Lieben, auch sein Heim, seine Gewohnheiten, seine Kleidung und schließlich alles, buchstäblich alles nimmt, was er besitzt: Er wird leer sein, beschränkt auf Leid und Notdurft und verlustig seiner Würde und seines Urteilsvermögens, denn wer alles verloren hat, verliert auch leicht sich selbst; so sehr, daß man leichthin und ohne jede Regung verbindenden Menschentums, bestenfalls aber auf Grund reiner Zweckmäßigkeit über sein Leben und seinen Tod wird entscheiden können.“ 8

Die Gewalt in den nationalistischen Lagern war durch zwei Formen des Terrors charakterisiert: der systematisierten Ordnung der Lager und den spontanen Exzessen absoluter Gewalt. Der Begriff der absoluten Macht fügt sich nicht ein in bestehende Machtkategorien, sondern birgt eine neue Qualität. Die absolute Verfügbarkeit der Häftlinge in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern unterscheidet sich fundamental von Willkür und Despotie, denen Gewalt als Mittel zum Zweck der Festigung des Regimes zu eigen ist. Insofern bei Willkür und Despotie der Terror zur Durchsetzung eigener politischer Ziele eingesetzt wird, wird jene Macht und ihre Akteure berechenbar. 9 Diese Gegenseitigkeit, beruhend auf den Normen rationalen Handelns, ist in den Konzentrationslagern nicht mehr gegeben. Der absoluten Macht im Lager ist daran gelegen, das Handeln selbst zu zerstören. Das Ende der Entfaltung absoluter Macht ist der Tod, deshalb kann absolute Macht niemals Totalität erlangen. In einer solchen Totalität bliebe nur der Tod als antisoziales Faktum übrig. Demnach giert absolute Macht nach immer neuen Opfergruppen und Machtstrategien, um ihren Machtanspruch zu demonstrieren. Bezeichnend für das fehlende Verständnis absoluter Macht in den Lagern ist die für die Häftlinge und die Außenwelt zwangsläufige Vorstellung, die Vernichtung großer Bevölkerungsgruppen von Juden, Roma, Sinti, Russen, Polen und anderer Insassen oder Deportierten in Auschwitz und den anderen Vernichtungslagern hätte durch die Zerstörung der Todesfabriken verhindert werden können. 10 Die Massenvernichtung in den Lagern war der Endpunkt eines langen Selektionsprozesses, der anschaulich zeigt, dass sich die absolute Macht nicht nur auf den Binnenraum der Lager beschränkte. Eine Zerstörung der Todesfabriken sowie der Transportwege hätte die Vernichtungsmaschinerie fraglos verändert oder verlangsamt. Ob sie so hätte verhindert werden können, muss hingegen bezweifelt werden. Durch die Massenerschießungen und -vergasungen – ausgeführt von Wehrmacht und Einsatzgruppen von SS und SD – hatten die Nazis schon längst den „moralischen Rubicon des Massenmordes“ (Browning) überschritten. 11 Zudem zeigt gerade der Erfindungsreichtum der SS-Mordexperten – z.B. 1944 bei der Vernichtung der ungarischen Juden innerhalb kürzester Zeit – dass je nach Bedingungen und Zielen der Mordaktionen die Tötungsfachmänner äußerst flexibel auf alle Unwägbarkeiten reagierten. Die absolute Macht hatte, obwohl lagerspezifisch, ihr Zentrum nicht allein in den Todeslagern. 12

Der Terror der systematisierten Ordnung basierte auf einer Bürokratisierung des Lagersystems. Vordergründig scheint die Bürokratisierung des Lagers der Vorstellung von absoluter Macht zu widersprechen, da bürokratisierte Organisationen ein gehöriges Maß an Berechenbarkeit verlangen, um funktionieren zu können. Das Ausmaß der formalen Organisation der Lager war beträchtlich. Es gab eine klar vorgezeichnete Kommandohierarchie, eine differenzierte flexible Arbeitsteilung für Inhaftierte und Wachmannschaften, standardisierte Zeit- und Dienstabläufe und detaillierte Disziplinarordnungen für Personal und Insassen. Die Verwaltungen der Lager zeichneten sich durch einen umfangreichen und detaillierten Aktenverkehr zwischen den Lagerverwaltungen aus. Dennoch trug die Terrormaschinerie des Lagers nicht das Gesicht einer bürokratischen Organisation. Die Institutionen der SS – sowohl die Totenkopfverbände als auch die SS-Verwaltungsämter – sahen sich weder in erster Linie als Soldaten, die den Terror mit preußischem Kadavergehorsam exerzierten noch als Bürokraten eines Verwaltungsapparates. Die SS verstand sich als „Elite der nationalsozialistischen Bewegung“, als politische Soldaten an der „inneren Front“ Deutschlands. Die absolute Macht des Lagers gründete sich nie nur auf sich selbst, sondern auf ideologisch verzerrte Reflexionen der SS-Täter, die in den Insassen der Lager die Feinde des deutschen Reiches sahen. Es besteht hier eine historische Unmittelbarkeit, eine Transparenz zwischen nationalsozialistischer Ideologie und ihrer Terrorpraxis. Der Terror fußte nicht allein auf der Macht der nationalsozialistischen Eliten und ihren politischen Entscheidungen, sondern ebenso auf der ideologisch fundierten grundlegenden Bereitschaft des Nationalsozialismus zur Gewalt in jeder Form. Sicher ist es richtig, dass die absolute Macht des Lagerkosmos - aus der Sicht der Verhältnisse im Lager gesehen - sich selbst nicht mehr legitimieren musste. Das Wachpersonal musste dies sehr wohl, da ihre Unterwerfung unter die Verhaltensregeln der SS auf geteilter Freiwilligkeit beruhte.

Die Zerstörung von Raum und Zeit im Lager

...hier im Lager gibt es keine Verbrecher und keine Verrückten. Keine Verbrecher, weil kein moralisches Gesetz da ist, das man brechen könnte, und keine Verrückten, weil wir bloße Werkzeuge sind und jede unserer Handlungen unter den Gegebenheiten von Zeit und Ort die einzig mögliche ist.“ 13

Gesellschaftliche Machtverhältnisse werden bestimmt durch die Balance von Selbst- und Fremdbestimmung. Absolute Macht zerstört diese Balance. Jeder Raum wird im Lager zum Zwangsraum, die Macht des Lagers verschließt alle Auswege und markiert die Kontrollbezirke. In der Sphäre absoluter Macht gibt es für den Häftling keine Möglichkeit der Raumaneignung mehr. Der Abriegelung nach außen entspricht die Teilung der Lagerwelt in einzelne Funktionsbezirke. Zum Vergleich: die frühen Lager der Nationalsozialisten wurden in traditionellen Stätten der Macht errichtet. Burgen, Schulen, Gefängnisse und Fabriken verkörperten die Architektur bekannter Disziplinarmächte. Die modernen Konzentrationslager wurden jedoch nach einem idealen Plan errichtet, die absolute Macht definierte den Raum nach ihrem Willen. Das Zentrum der Macht bildete die Konzentrationslagerverwaltung. In ihr befanden sich die Kommandantur, die Politische Abteilung, die Verwaltung des sogenannten „Schutzhaftlagers“ sowie die Kasernen als Standorte der Totenkopfstandarten. Die Lagerwelt des Häftlings wurde gezielt nach Aktivitäten „zoniert“. Das eigentliche Lager diente nur zur Unterkunft, zumeist befanden sich die Arbeitsstätten der Häftlinge außerhalb des inneren Lagerbezirkes. Die Unterkünfte der Häftlinge wurden in einem Feldersystem errichtet, das die absolute Kontrolle über den Raum garantierte. Je nach den örtlichen Gegebenheiten wurden die einzelnen Sektoren des Lagers in einem genau abgezirkelten System angelegt. Am anschaulichsten ist diese Architektur in Majdanek und Birkenau verwirklicht worden. 14 In Birkenau glich jeder Sektor in seiner Ausstattung dem andern: eine Küche, vier Latrinenblocks und 32 Pferdeställe als Massenquartiere für die Inhaftierten. Die einzelnen Blocks waren in einem Rastersystem angeordnet. Wenige Lagerstraßen zerteilten den Raum, die Nebengassen waren eng, als einziger öffentlicher Raum fungierte der Appellplatz. Kurven oder tote Winkel ließ dieses Rastersystem nicht zu. In der Aufteilung des Raumes zeigt sich der krasse Gegensatz zwischen der Architektur traditioneller Machtinstitutionen und dem Konzentrationslager. Das Gefängnis isoliert das Individuum, das Lager verwirklicht das Gegenteil. Das Individuum wird zerstört in der verdichteten und segmentierten Masse der Lagerinsassen.

Die „Zonierung“ der Lagerwelt erschloss nicht nur den Raum von Arbeiten und Unterkunft, sie erstreckte sich auch auf die Orte des Quälens und Sterbens. Zu Folter und Mord zog sich die absolute Macht zurück. 15 Wenn die Tortur nicht dem spontanen Exzess geschuldet war, fand sie an speziellen Orten statt, die für die SS zu diesem Zweck bestimmt wurden. In den Strafkompanien, dem Lagergefängnis, dem Krankenbau waren die Täter mit den Gepeinigten unter sich. Die Ausnahme bildeten inszenierte Hinrichtungen bei Fluchtversuchen, missglückten Selbstmordversuchen und jeder Form von Widerstand durch die Inhaftierten. Mit derartigen „erzieherischen“ Maßnahmen konnte die SS eindrücklich ihre absolute Macht über die Häftlinge bis hin zum Tod demonstrieren.

Auch die Orte der Massenvernichtung waren abgeschirmt von Lager und Außenwelt. Die Genickschussanlage in Buchenwald befand sich außerhalb des Lagers, in Sachsenhausen befand sich die Genickschussanlage in der „Station Z“, die ebenfalls außerhalb der inneren Lagermauern im Industriehof errichtet wurde. Zu dieser Station gehörte auch noch eine Gaskammer und ein im Freien befindlicher Erschießungsgraben. In Treblinka, dem „perfektioniertesten“ Vernichtungslager in Polen war der Vernichtungssektor vollständig vom Wohn- und Auffanglager getrennt. Nur ein schmaler Gang, verdeckt durch Trennwände und in Stacheldraht geflochtene Zweige, führte in die Todeszone. 16 Die ersten Gaskammern in Birkenau befanden sich am Rand des Lagers in alten Bauernhäusern, in einem abgelegenen Wäldchen. 17 Die Todeszonen waren tabuisiertes Terrain, Zugang hatten nur die Folter- und Mordspezialisten sowie die Sonderkommandos, in denen ausschließlich jüdische Häftlinge eingesetzt wurden. 18 Diese Abgrenzung entzog den Ort des Grauens dem „schützenden Blick“ der Lageröffentlichkeit. Die wirksamste Form des Terrors entfaltete sich hinter undurchdringlichen Mauern. Abgeschlossen von der Außenwelt konnte die absolute Macht mit den Gefangenen tun, was sie wollte. In der Exterritorialität der Folterstätten streiften sich die Peiniger die letzten Fesseln der Zivilisation ab.

Die Besetzung des Raumes durch die absolute Macht manifestierte sich nicht nur in den gesetzten Funktionsbereichen des Lagers. Die Schnittstellen dieser „Zonen“ bildeten einen Kristallisationspunkt dieser Gewalt. Als exponierter Kontrollpunkt war das Tor eine Stätte von Schikane und Quälerei. 19 Im Torflügel befanden sich neben den Wachstuben die Dienstzimmer des Lagerführers, der Rapport- und Arbeitseinsatzführer. Alle Neuankommenden mussten, wenn sie durch das Tor gingen, sich den brutalen Aufnahmeritualen der Lager-SS unterziehen. 20 Ebenso mussten alle Häftlingskommandos morgens wie abends und oft auch zu den Mittagspausen in geschlossenen Formationen, meist singend oder unter den schmetternden Klängen der Lagerkapellen mit militärischem Drill in das Lager einrücken. Die Passage des Lagers war somit gleichzeitig ein Ort bürokratischer Kontrolle und willkürlicher Marter. Die Häftlinge waren gezwungen, im Gleichschritt ein- und ausrücken. Bewegung gab es für die Häftlinge nur im Kollektiv, Zeitpunkt, Tempo und Richtung der Bewegung wurde von der hypertrophen Gewalt einiger weniger SS-Männer am Tor bestimmt.

Oft hatten sich einzelne SS-Männer auf bestimmte Häftlingsgruppen fixiert. 21 Die enge Passage des Tores bot der SS zur Peinigung bevorzugter Hassobjekte die beste Gelegenheit. Selbst die Gewissheit, nicht zu einer solcherart bevorzugten Gruppe von Insassen zu gehören, gab keinen Anlass zu einem halbwegs berechenbaren Verhalten der SS am Lagertor. Die SS vollzog ein makabres Spiel: die Marschkolonne geschwächter und fußkranker Häftlinge, die täglich durch das Tor zog, bot alle nur erdenklichen Anlässe, die nicht erfüllbaren Regeln der total formierten Lagergesellschaft zu exerzieren. Strafexerzieren oder Torstehen konnten jederzeit über die Häftlinge hereinbrechen. Wurde der Vernichtungsdruck durch die katastrophalen Bedingungen in den Lagern verstärkt, agierte die SS aggressiver. „Am Tor zeigten sich Ohnmacht und Demütigung der gesamten Häftlingsgesellschaft. Sie (die Häftlinge, d.A.) wurden zu einer wehrlosen Serie in Bewegung, die mit kollektiver Geste der absoluten Macht die Ehre bezeugte.“ 22

Absolute Macht bricht alle Kontinuitäten bürgerlicher Existenz mit dem Eintritt in das Lager. Nichts zeigt dies deutlicher als die Zeit im Lager. Die Ordnung der sozialen Zeit strukturiert die Abfolgen einer Gesellschaft und zwingt die sozialen Akteure zur Beachtung eines mehr oder weniger zwangsmäßig organisierten Zeitrahmens in ihren Institutionen. Dieses Schema regelt auch in totalen Organisationen wie Gefängnissen das zugestandene Maß an verfügbarer Zeit, um sich an die neuen Verhaltensmodelle zu gewöhnen, die das Personal den Insassen vorschrieb. Der Eintritt in ein Konzentrationslager hingegen zerriss nicht nur das Band der Kontinuität zwischen der Außen- und Innenwelt, sondern enthob auch die neuen Insassen der Verfügung über eine Zeit der Anpassung an das Lagerleben, bevor sie zu typischen Insassen wurden. Für die Häftlinge gab es nur zwei Zeitphasen, den Eingangsschock und das Lagerleben. Im Konzentrationslager gab es für die Häftlinge keine Möglichkeit, den Übergang durch eine neue Rollenübernahme zu beeinflussen. Der Eintritt in die Häftlingsgesellschaft ließ keine sozialen Rollen, sondern nur ein Existieren als Ausgestoßene am Rand der Gesellschaft zu. Eine potentielle Überlebenschance hatten nur diejenigen, die sich sogleich wie angepasste Insassen verhielten, d. h. ohne Lernzeit auf die stetige Todesgefahr in den Lagern reagierten. 23

Die Zeit der Lager war bestimmt durch eine minutiöse Zeiteinteilung des Tages- und Wochenablaufs. 24 Die einzelnen Zeiteinheiten waren standardisiert und permanenter Kontrolle durch das Personal unterworfen. Doch dies macht noch nicht das Charakteristikum der Lagerzeit unter dem Signum absoluter Macht aus: zwar ist die strikte Regelung der Zeit eine wirkungsvolle Machttechnologie, letztendlich aber strebt die absolute Macht immer wieder danach, diese Zeitstruktur unberechenbar zu halten. Würde sie sich strikt an die eigenen Zeitvorgaben halten, wäre sie selbst an ihr Reglement gebunden. Die Übergriffe wären für Objekte der Machtausübung planbar gewesen und die Insassen hätten in begrenztem Maße Gegenstrategien entwickeln können. Insofern war den SS-Schergen der Konzentrationslager daran gelegen, das Tempo des Lagerlebens ständig zu variieren, um die Insassen im zeitlosen Vakuum einer ewigen Gegenwart einzusperren. Die unmittelbare Gewaltsituation in den Lagern kannte kein Früher oder Später mehr, sondern nur die absolute Präsenz einer immerwährenden tödlichen Gefahr. 25 Die bis dato bestehende gesellschaftliche Zeitstruktur wurde infragegestellt: die immer wiederkehrenden Reden der SS-Leute vor den Insassen der Lager, dass es für die Inhaftierten nur einen Weg nach draußen gäbe, nämlich den durch den Schornstein, drückte symbolhaft die Zerstörung einer gesicherten zeitlichen und räumlichen Perspektive für die Häftlinge, d.h. die Zerstörung einer stabilen politischen und sozialen Identität durch die allmächtige Lager-SS aus. So war der Verlust des Zeitempfindens für die Lagerinsassen eine zwangsläufige Folge des Lagerlebens. Bei Primo Levi, einem Überlebenden von Monowitz und Birkenau, liest sich dieser Verlust so. „Auch dieses Heute, das uns in der Frühe noch unüberwindlich und ewig erschien, haben wir Minute für Minute hinter uns gebracht; jetzt liegt es abgeschlossen da, wird augenblicklich vergessen, ist schon kein Tag mehr, hat bei keinem eine Spur von Erinnerung hinterlassen. Wir wissen, daß der morgige Tag geradeso sein wird wie der heutige: vielleicht regnet es ein bißchen weniger, oder vielleicht müssen wir, statt Erde auszuheben, zum Karbid, um Ziegel abzuladen. Oder morgen kann der Krieg zuende sein, oder wir können alle umgebracht oder in ein anderes Lager transportiert worden sein... Doch wer vermöchte ernstlich an morgen zu denken?“ 26

Folter, Exzess und Selektion im Lager

In den Schlüsselbegriffen von Folter, Exzess und Selektion offenbaren sich sowohl die Funktionsbestimmungen der Lager als auch die darin geronnenen Werte und Normen der Schergen zu einem systematischen Konzept nationalsozialistischer Politik, deren grundlegendes Ziel in der „Ausmerzung“ der meisten Inhaftierten bestand. Folter, Exzess und Selektion mögen vordergründig als willkürlich ausgewählte Kategorien angesehen werden: um einen Insassen des Lagers in kürzester Zeit umzubringen, benötigte die SS oft nicht einmal die Vielfalt ihrer Schreckensinstrumente. Arbeit, Hunger, Seuchen - die katastrophalen Lagerbedingungen im allgemeinen – genügten, um selbst gesunde und leistungsstarke Häftlinge innerhalb kürzester Zeit umzubringen oder zum „Muselmann“ werden zu lassen. Kautsky – selbst im Konzentrationslager inhaftiert gewesen – unterscheidet zwei unterschiedliche Formen des Terrors: vor dem Krieg überwogen individuelle Formen des Terrors, während der sich im Krieg ausbreitende Massenterror in den Lagern auf körperliche Misshandlungen verzichten konnte. Hunger, Überarbeitung und katastrophale sanitäre Verhältnisse in den Lagern reichten für den intendierten Massenmord aus. 27 Doch in jenen Begriffspaar von Folter und Selektion trat die absolute Macht vielleicht am deutlichsten zu Tage. Das Foltern und Morden basierte auf einer direkten Intervention der Täter – im Gegensatz zum Gewähren des schleichenden Siechtums, das in allen Lagern zyklisch grassierte. Und es steht durch die exorbitante Grausamkeit der vielen uns überlieferten Exzesse auch in einem besonderen Beziehungsverhältnis von Tätern und Opfern. Die Selektion war jene Inszenierung der Lagermacht, mit der den Häftlingen unmissverständlich die Beliebigkeit der Vernichtungsmacht des SS-Personals demonstriert wurde. Bei dieser Inszenierung – die sowohl durch die Lagerleitung organisiert, als auch durch Eigeninitiative des Wachpersonals spontan angesetzt verlaufen konnte – stellte der Vernichtungsdruck der nazistischen Politik, der auf den Lagern lastete, nur eine Facette des Geschehens dar. Das Arrangement der Selektion selbst verlieh den Schergen jene individuellen Allmachtserlebnisse, die Primo Levi so beschreibt: „Der Blockälteste hat die Tür zwischen Tagesraum und Schlafraum abgeschlossen und statt dessen die Außentüren des Tagesraumes und des Schlafraumes geöffnet. Dort, vor den beiden Türen, steht der Richter unseres Schicksals, ein SS-Scharführer. Zu seiner Rechten der Blockälteste, zu seiner linken der Blockschreiber. Jeder, der aus dem Tagesraum nackt in die Oktoberkälte tritt, muß die wenigen Schritte zwischen den Türen laufend vor diesen dreien zurücklegen, muß dem SS-Mann den Zettel überreichen und dann durch die Tür des Schlafraumes wieder in die Baracke gehen. In dem Sekundenbruchteil zwischen zwei aufeinanderfolgenden Vorbeiläufen entscheidet der SS-Mann mit einem Blick von vorn und hinten über das Geschick eines jeden, reicht seinerseits den Zettel dem zu seiner Rechten oder dem zu seiner Linken, und das heißt für jeden von uns Leben oder Tod. Binnen drei, vier Minuten ist eine Baracke mit zweihundert Mann „gemacht“ und im Verlauf des Nachmittags das ganze Lager mit zwölftausend Menschen.“ 28

Es ist eigentlich unmöglich, diejenigen Handlungen in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern, die wir gemeinhin als Folter ansehen, von den allgemeinen Bedingungen zu trennen. Denn allein das Verschwinden lassen von Zivilpersonen im Lager ist bereits ein Akt der Folter. Hannah Arendt schreibt: „Das eigentliche Grauen der Konzentrations- und Vernichtungslager besteht darin, daß die Insassen, selbst wenn sie zufällig am Leben bleiben, von der Welt der Lebenden wirksamer abgeschnitten sind, als wenn sie gestorben wären, weil der Terror Vergessen erzwingt.“ 29 Die Folter in den Lagern hatte ein vorrangiges Ziel: die Erzeugung physischer und psychischer Schmerzen. Dies ging einher mit der Produktion von Qualen, Todesangst, totaler Hilflosigkeit und Einsamkeit. Die Gepeinigten sollten allumfassend gedemütigt und in ihrer Individualität zerstört werden. Das ist der eigentliche Zweck jeder Folter: die Häftlinge ohne Rest an Leib und Seele der Macht zu unterwerfen und ihre Identitäten und Schutzmechanismen zu zerstören, indem sie grenzenlosen Qualen preisgegeben werden. Diese Pein war buchstäblich grenzenlos, denn die zu erreichende Grenze für die Häftlinge wäre der Tod gewesen. Doch selbst den Tod zu wählen wurde ihnen verwehrt. Über den Zeitpunkt des Sterbens der Insassen entschied die SS. Es war durchaus möglich, dass kranke Insassen wochenlang in den Häftlingskrankenbauten gepflegt wurden, in dieser Zeit wieder zu Kräften gelangten, um dann nach Verlassen des Krankenbaus selektiert oder zu Tode gequält zu werden. Misslungene Selbstmordversuche wusste die SS drastisch zu bestrafen. Die Zerstörung des Individuums durch Folter wurde noch effektiver gestaltet, indem sich die Lager-SS einer Arbeitsteilung bediente. Die Bewacher bezogen Häftlinge in ihr Handwerk von Foltern und Morden mit ein. Wie perfekt die Terrormaschine funktionierte, zeigt das Phänomen, dass auch Häftlinge, zumeist Funktionshäftlinge an brutalen Exzessen beteiligt waren. In Auschwitz beispielsweise waren es vorwiegend reichsdeutsche und polnische Häftlinge, die sich – nach den Schilderungen Kautskys – in ihrer antisemitischen Haltung oft kaum von den Nazis unterschieden. 30 Soweit dies „freiwillig“ geschah, kann man von einer Übernahme der Autorität durch die Insassen als perfider Möglichkeit der individuellen Reorganisation im Lageralltag sprechen. 31 Es ist offensichtlich schwierig, an dieser Stelle von Freiwilligkeit zu sprechen, da natürlich auch die Funktionshäftlinge der absoluten Verfügbarkeit durch die SS ausgesetzt waren. Überhaupt versagen die Werte und die Moral einer zivilen Gesellschaft vor den Mechanismen der Konzentrationslager. Jedes Handeln, welches unter zivilen Umständen als unmoralisch abqualifiziert werden würde, hatte in der Wertehierarchie des Lagers seinen Platz. Die Lagermoral war die Moral einer seriellen Gesellschaft, in der jeder unterzugehen drohte, der sich gemäß den Umgangsformen seiner Herkunftsgesellschaft verhielt.

Einen Sonderfall stellten die permanent durchgeführten Exekutionen in den Lagern dar. Die Exekutionsbestimmungen sahen vor, das Erhängen von Häftlingen grundsätzlich durch Mithäftlinge durchführen zu lassen. Mithin war selbst das Erhängen nach rassistischen Maßgaben geregelt. Demnach sollten „Fremdvölkische“ durch Angehörige der gleichen Volksgruppe ermordet werden. Jede Exekution, die von einem Häftling ausgeführt wurde, sollte laut Bestimmungen mit drei Zigaretten entlohnt werden. Die Inszenierung einer Hinrichtung Gefangener durch Gefangene stellte für die Insassen eine extreme Form der Demütigung dar. Ihnen wurde suggeriert, nur durch die Mitwirkung an Verbrechen ihr Leben länger erhalten zu können. Ohne sichtliche Handlungsalternative wurden solcherart gequälte Häftlinge in die Situation versetzt, andere zu erniedrigen und somit zu vermeintlichen Mittätern zu werden. Diese Inszenierungen der allmächtigen Lager-SS erzeugten bei den derart gefolterten „Mittätern“ neben den traumatischen Erlebnissen zudem Schuld- und Schamgefühle, die zur weiteren Zerstörung der Persönlichkeit der Lagerhäftlinge und der Atomisierung der Lagerwelt beitrugen.

Die vorliegende Skizze zur Analyse absoluter Macht in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern weist hinsichtlich der Verwendung von Häftlingszeichnungen in der gedenkstättenpädagogischen Arbeit auf einen bedeutsamen Aspekt hin. Die im Kontext der Lager entstandenen Kunstwerke sprechen eine eindrückliche Sprache und repräsentieren einen kulturellen Kernbestand einzigartiger Zeugnisse, welche die Häftlingsgesellschaft der Außenwelt von ihrem Alltag in den nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern zu hinterlassen vermochte. Diese Zeugnisse entstanden unter extremen Haftbedingungen und trotz der Allmacht der SS, die jede Form individueller Äußerung der Häftlingsgesellschaft zu zerstören suchte. Der oft unter lebensbedrohlicher Gefährdung geschaffene Ausdruck eigener Erfahrungen gibt den Überlebenden und auch den Ermordeten ihre Individualität zurück, durch die überhaupt erst an sie erinnert werden kann. Erst angesichts der Verhältnisse in den Lagern erklärt sich die Dimension der Häftlingszeichnungen, als einzigartige bildliche Zeugnisse der Auswüchse absoluter Macht, die sich im Moment des Entstehens dem Signum der Absolutheit entzogen.


1 vgl. Weinmann (1990), S. 729 ff. Die ausschließlich als Vernichtungslager geführten Camps Belzec, Chelmno, Dzialdowo, Nisch, Sobibor, Treblinka und Maly Trostinec sind bei Weinmann gesondert aufgeführt, ebenso die Euthanasie-Anstalten Bernburg/Saale, Hadamar, Hartheim. Lager wie Auschwitz und Majdanek, die sowohl als Konzentrations- und Vernichtungslager fungierten, sind dort systematisch den Konzentrationslagern zugeordnet.
2 vgl. Schwarz (1990). S. 143 ff.
3 vgl. Weinmann (1990), S. CXXXVII. Die Zahl der „Zivilarbeitslager“ wird bei Weinmann auf etwa 7.000 geschätzt (ebenda, S. 715.).
4 Zum Begriff des Muselmanns vgl. Ryn/Klodzinski (1987b), Sofsky 1997, S. 229 ff., Kertész (1996), S. 189 ff.
5 vgl. Welzer 2005, S. 23 ff. Besonders in der Rede von Himmler vor SS-Offizieren am 4. Oktober 1943 in Posen wird dieser Mörderethos offenbar: „Von Euch werden die meisten wissen, was es heißt, wenn 100 Leichen beisammen liegen, wenn 500 daliegen oder wenn 1000 daliegen. Dies durchgehalten zu haben, und dabei – abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen – anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht. Dies ist ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte.…Wir hatten das moralische Recht, wir hatten die Pflicht gegenüber unserem Volk, dieses Volk, das uns umbringen wollte, umzubringen. Wir haben aber nicht das Recht, uns auch nur mit einem Pelz, mit einer Uhr, mit einer Mark oder mit einer Zigarette oder mit sonst was zu bereichern. Wir wollen nicht am Schluß, weil wir ein Bazillus ausrotteten, an Bazillen krank werden und sterben. Ich werde niemals zusehen, daß hier auch nur eine kleine Fäulnisstelle entsteht oder sich festsetzt. Wo sie sich bilden sollte, werden wir sie gemeinsam ausbrennen. Insgesamt können wir aber sagen, daß wir diese schwerste Aufgabe in Liebe zu unserem Volk erfüllt haben. Und wir haben keinen Schaden in unserem Inneren, in unserer Seele, in unserem Charakter daran genommen.“ Zit. aus Friedländer (1984), S. 90f.
6 Der Begriff des Opfers wirft in seiner semantischen Valenztradition ein prekäres Problem auf: ursprünglich basierte dieser Begriff auf religiösen Kategorien (man opferte Gott) oder auf der Ehrbezeugung gegenüber eines weltlichen Herrschers; derjenige, der opfert, tut dies entgegen eigennützigen Interessen und ist dann nach der traditionellen religiösen Werteordnung gut. Vgl. Haß (1990), S. 145.
7 Zit. Kautsky (1946), S. 45f. Benedikt Kautsky, jüdischer Sozialist, überlebte von 1938-1945 die Lager Dachau, Buchenwald und Auschwitz.
8 Zit. Primo Levi (1991), S. 25.
9 Sofsky (1997), S. 28.
10 vgl. Müller 1979, S. 258.
11 vgl. Arndt/ Scheffler 1983.
12 vgl. Müller 1979, S. 196 ff.
13 Zit. Primo Levi (1991), S. 94.
14 Vgl. Sofsky (1997), S. 65.
15 Ebenda, S. 68f.
16 Vgl. Kogon (1983), S. 162.
17 Ebenda, S. 210f.
18 Zum Sonderkommando von Auschwitz siehe Müller (1979). Bei Langbein (1988) finden sich eindrückliche Beispiele von Widerstandsstrategien der Sonderkommandos in den Vernichtungslagern Polens.
19 Vgl. Sofsky (1997), S. 77. Exemplarisch die Schilderung eines Aufnahmerituals bei Kogon (1991), S. 97.
20 Schon die erste Ankunft in den Lagern wurde als ein brutales Ritual inszeniert, in dem die neu Inhaftierten neben der Gewissheit über die Unversehrtheit des eigenen Körpers ihre Orientierung über Zeit und Raum verloren.
21 Vgl. Semprun (1984), S. 306.
22 Zit. Sofsky (1997), S.78.
23 Vgl. Sofsky (1997), S. 339, Anm. 9.
24 Zum täglichen Zeitregime in den Lagern siehe Naujoks (1989), S. 69 und Kogon (1991), S. 101 ff.
25 Zur immerwährenden Präsenz des Todes in den Lagern siehe Ryn/Klodzinski (1987a), S. 283.
26 Zit. in Levi (1991), S 139.
27 vgl. Kautsky, (1946), S. 32.
28 Zit. Primo Levi (1991), S. 123. Bei der geschilderten Selektion wird er selbst nicht zur Ermordung ausgewählt, wohl aber sein Nachfolger, der in offensichtlich weitaus besserer körperlicher Verfassung ist als er selbst. Levi vermutet darin eine Verwechslung der Zettel bei der nur Sekunden dauernden Selektion. Über die Verschiebung rationaler Sinnstrukturen in die Bezirke absoluter Verfügbarkeit über die Häftlinge ist damit schon viel gesagt.
29 Zit. in Arendt (1955), S. 700.
30 Vgl. Kautsky (1946), S. 43.
31 Vgl. Niethammer (1994) und Sofsky (1997), S. 160 ff.
vgl. Weinmann (1990), S. 729 ff. Die ausschließlich als Vernichtungslager geführten Camps Belzec, Chelmno, Dzialdowo, Nisch, Sobibor, Treblinka und Maly Trostinec sind bei Weinmann gesondert aufgeführt, ebenso die Euthanasie-Anstalten Bernburg/Saale, Hadamar, Hartheim. Lager wie Auschwitz und Majdanek, die sowohl als Konzentrations- und Vernichtungslager fungierten, sind dort systematisch den Konzentrationslagern zugeordnet.
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vgl. Schwarz (1990). S. 143 ff.
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vgl. Weinmann (1990), S. CXXXVII. Die Zahl der „Zivilarbeitslager“ wird bei Weinmann auf etwa 7.000 geschätzt (ebenda, S. 715.).
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Zum Begriff des Muselmanns vgl. Ryn/Klodzinski (1987b), Sofsky 1997, S. 229 ff., Kertész (1996), S. 189 ff.
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vgl. Welzer 2005, S. 23 ff. Besonders in der Rede von Himmler vor SS-Offizieren am 4. Oktober 1943 in Posen wird dieser Mörderethos offenbar: „Von Euch werden die meisten wissen, was es heißt, wenn 100 Leichen beisammen liegen, wenn 500 daliegen oder wenn 1000 daliegen. Dies durchgehalten zu haben, und dabei – abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen – anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht. Dies ist ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte.…Wir hatten das moralische Recht, wir hatten die Pflicht gegenüber unserem Volk, dieses Volk, das uns umbringen wollte, umzubringen. Wir haben aber nicht das Recht, uns auch nur mit einem Pelz, mit einer Uhr, mit einer Mark oder mit einer Zigarette oder mit sonst was zu bereichern. Wir wollen nicht am Schluß, weil wir ein Bazillus ausrotteten, an Bazillen krank werden und sterben. Ich werde niemals zusehen, daß hier auch nur eine kleine Fäulnisstelle entsteht oder sich festsetzt. Wo sie sich bilden sollte, werden wir sie gemeinsam ausbrennen. Insgesamt können wir aber sagen, daß wir diese schwerste Aufgabe in Liebe zu unserem Volk erfüllt haben. Und wir haben keinen Schaden in unserem Inneren, in unserer Seele, in unserem Charakter daran genommen.“ Zit. aus Friedländer (1984), S. 90f.
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Der Begriff des Opfers wirft in seiner semantischen Valenztradition ein prekäres Problem auf: ursprünglich basierte dieser Begriff auf religiösen Kategorien (man opferte Gott) oder auf der Ehrbezeugung gegenüber eines weltlichen Herrschers; derjenige, der opfert, tut dies entgegen eigennützigen Interessen und ist dann nach der traditionellen religiösen Werteordnung gut. Vgl. Haß (1990), S. 145.
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Zit. Kautsky (1946), S. 45f. Benedikt Kautsky, jüdischer Sozialist, überlebte von 1938-1945 die Lager Dachau, Buchenwald und Auschwitz.
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Zit. Primo Levi (1991), S. 25.
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Sofsky (1997), S. 28.
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vgl. Müller 1979, S. 258.
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vgl. Arndt/ Scheffler 1983.
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vgl. Müller 1979, S. 196 ff.
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Zit. Primo Levi (1991), S. 94.
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Vgl. Sofsky (1997), S. 65.
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Ebenda, S. 68f.
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Vgl. Kogon (1983), S. 162.
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Ebenda, S. 210f.
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Zum Sonderkommando von Auschwitz siehe Müller (1979). Bei Langbein (1988) finden sich eindrückliche Beispiele von Widerstandsstrategien der Sonderkommandos in den Vernichtungslagern Polens.
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Vgl. Sofsky (1997), S. 77. Exemplarisch die Schilderung eines Aufnahmerituals bei Kogon (1991), S. 97.
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Schon die erste Ankunft in den Lagern wurde als ein brutales Ritual inszeniert, in dem die neu Inhaftierten neben der Gewissheit über die Unversehrtheit des eigenen Körpers ihre Orientierung über Zeit und Raum verloren.
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Vgl. Semprun (1984), S. 306.
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Zit. Sofsky (1997), S.78.
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Vgl. Sofsky (1997), S. 339, Anm. 9.
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Zum täglichen Zeitregime in den Lagern siehe Naujoks (1989), S. 69 und Kogon (1991), S. 101 ff.
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Zur immerwährenden Präsenz des Todes in den Lagern siehe Ryn/Klodzinski (1987a), S. 283.
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Zit. in Levi (1991), S 139.
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vgl. Kautsky, (1946), S. 32.
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Zit. Primo Levi (1991), S. 123. Bei der geschilderten Selektion wird er selbst nicht zur Ermordung ausgewählt, wohl aber sein Nachfolger, der in offensichtlich weitaus besserer körperlicher Verfassung ist als er selbst. Levi vermutet darin eine Verwechslung der Zettel bei der nur Sekunden dauernden Selektion. Über die Verschiebung rationaler Sinnstrukturen in die Bezirke absoluter Verfügbarkeit über die Häftlinge ist damit schon viel gesagt.
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Zit. in Arendt (1955), S. 700.
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Vgl. Kautsky (1946), S. 43.
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Vgl. Niethammer (1994) und Sofsky (1997), S. 160 ff.
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