Arbeitskreis Konfrontationen

Aat Breur

Aat Breur wird 1913 in Den Haag, Niederlande geboren. Über den Ort ihrer Geburt und ihrer Kindheitsjahre sagt sie: „Wir wohnten in Den Haag in einem kleinen Haus mit Garten und fuhren sehr oft mit dem Fahrrad an die Nordsee. Dort am Strand habe ich viele meiner Zeichenstudien gemacht.“ Zum Zeichnen ist sie durch ihren Vater gekommen – am Sonntag, wenn er nicht arbeitet zeichnet er mit Aat und ihrer Schwester.

Zwischen 1934 und 1939 studiert sie an der Akademie der Bildenden Künste in Den Haag; danach arbeitet sie als Kunstlehrerin an einer Schule. Im selben Jahr lernt sie Krijn Breur kennen, der aus dem spanischen Bürgerkrieg gegen General Franco zurückkehrt, an dem er als Journalist für eine holländische Zeitung teilgenommen hat. Die beiden ziehen zusammen nach Amsterdam in eine Kommune; 1940 – im selben Jahr in dem die deutsche Wehrmacht Holland besetzte – heiraten sie und bekommen einen Sohn. 1942 kommt die gemeinsame Tochter Dunya zur Welt.

Aat und Krijn Breur sind keine Mitglieder der kommunistischen Partei, doch beide arbeiten in einer kleinen Widerstandsgruppe gegen die deutsche Besatzung. Sie organisieren Papiere, betreiben Sabotage und Spionage. Die beiden Kinder sind kein Grund für sie, die illegale Arbeit aufzugeben. „Wir waren überzeugt, dass es noch eine Zukunft gibt, und wir wollten eine gute Zukunft für unsere Kinder.“ Am 19. November 1942 werden Krijn und Aat Breur von der Gestapo verhaftet. Aat wird mit ihrer kleinen Tochter in das Gefängnis gebracht in dem auch Krijn inhaftiert ist, ihren Sohn kann sie bei den Schwiegereltern unterbringen.

Krijn Breur wird zum Tode verurteilt und am 5. Februar 1943 hingerichtet; Aat wird zusammen mit Dunya zuerst nach Utrecht verlegt. Dort trennen sich auch ihre Wege: Während Dunya bei ihren Großeltern bleiben kann wird Aat Breur über viele Umwege nach Ravensbrück deportiert, wo sie am 10. September 1943 ankommt und die Häftlings-Nummer 22981 erhält. Zuerst muss sie in einem Straßenbaukommando Wege planieren. „So hab ich am Anfang die schwerste Arbeit tun müssen. Doch wenn man lange im Lager ist, bekommt man dort auch Freundinnen. Irgendwann hörte ich von meiner Freundin, dass in der Buchbinderei eine Zeichnerin gesucht wird. Sie hat zu mir gesagt: 'Du musst zur Lagerleitung gehen und sagen, dass du zeichnen kannst'. Das hab ich getan. So hab ich den Arbeitsplatz in der Buchbinderei bekommen. Wir waren zu viert und waren ziemlich frei, denn die Aufseherin saß im anderen Raum und ging jeden Tag weg, um die Zeitung zu holen. Wir wurden eingeschlossen, und wir waren frei. Wir konnten unsere Wäsche richten und kleine Bücher für uns selber machen.“ Neben Arbeiten für die SS, wie z.B. Geburtstagskarten fertigt sie auch Zeichnungen für ihre Kameradinnen an.

Fast bis zum Schluss bleibt Aat Breur in der Buchbinderei. Anfang 1945 erkrankt sie an einer Lungenentzündung und wird ins Krankenrevier gebracht, wo zu dieser Zeit täglich Selektionen stattfinden. Durch Hilfe anderer Häftlinge kann sie einem Todestransport entgehen. Annette Eeckman erzählt: „Aat stand eines Tages in einer Kolonne, fertig für einen gefährlichen Transport, denn sie war ganz mager und krank. Da hat die französische Ärztin Hautval sie gesehen. Sie hatte gerade eine Tote in ihrer Baracke und gab Aat die der Toten. Mit dieser ist sie zum Krematorium gegangen. Aat war tot – und so hat sie überlebt.“ Nach dieser Rettungsaktion muss sie sich einige Zeit im Lager verstecken und wird später, im April 1945 im Krankenrevier zur Pflege kranker Häftlinge eingesetzt.

Aat Breur bleibt bis zur Befreiung in Ravensbrück. Sie kümmert sich um die zurückgebliebenen Kranken. Ihre Zeichnungen kann sie retten – eine Freundin aus dem Lager, die vom Internationalen Roten Kreuz nach Schweden evakuiert wird nimmt sie an sich.

Ende Juli 1945 kehrt Aat Breur, schwer an TBC erkrankt nach Amsterdam zurück und verbringt danach acht Jahre in Krankenhäusern und Sanatorien. Erst Anfang der 50er Jahre kann sie ihr Leben zusammen mit ihren Kindern wieder aufnehmen. Lange Zeit spricht sie nicht über ihre Zeit im Lager. 1998 sagt sie zu Loretta Walz, einer Regisseurin aus Berlin während eines Interviews: „Jetzt fragst du mich, und jetzt erzähle ich für deinen Film. Aber generell will ich mich mit den Gedanken ans Lager nicht beschäftigen. Ich träume nachts davon. Das ist schlimm genug. Am Tage will ich das nicht.“

Aat Breur stirbt am 31. Dezember 2002 in Amsterdam im Alter von 89 Jahren.