Arbeitskreis Konfrontationen

Fritz Cremer

Am 22. Oktober 1906 wird Fritz Cremer in Arnsberg/Ruhr geboren. Sein Vater, von Beruf Tapeziermeister stirbt bereits im folgenden Jahr. Nachdem im Jahr 1922 auch Cremers Mutter stirbt, lebt er bei einer Bergarbeiterfamilie und geht in den Jahren 1921 bis 1925 bei dem Essener Steinbildhauer Meissen in die Lehre.

In den anschließenden Jahren bis 1929 arbeitet Fritz Cremer als Geselle in seinem Beruf und absolviert in Abendkursen ein Plastikstudium an der Essener Folkwang-Schule. Bereits zu dieser Zeit führt er einige Plastiken nach Vorbildern von Will Lammert aus. In dieser Zeit, nämlich im Jahr 1926 tritt Cremer auch in die Kommunistische Arbeiterjugend in Essen ein. 1929 erfolgt sein Eintritt in die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD).

Ein Stipendium der Stadt Essen ermöglicht Fritz Cremer von 1931 – 1934 das Studium an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin-Charlottenburg. Er studiert bei Fritz Gerstel, dem Lehrer für Plastik und wird zwischen 1934 und 1938 sein Meisterschüler.

1930 gehört Cremer zu den Mitbegründern des ‚Roten Studentenbundes’ an dieser Hochschule. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten sammelt der Künstler noch im Jahr 1933 Stimmen für die Graphikerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz sowie für den Schriftsteller Heinrich Mann, die beide aus den Preußischen Akademien ausgeschlossen werden sollen.

Während einer Reise nach London begegnet Cremer Bertold Brecht und Helene Weigel. Beide geben ihm den Rat, weiterhin in Deutschland zu arbeiten. Noch im selben Jahr, im Sommer 1936, wird gegen den Bildhauer eine Untersuchung eingeleitet. Sein Relief „Trauernde Frauen“, welches auch unter dem Titel „Gestapo“ bekannter wird, entspricht nicht der nationalsozialistischen Kulturpolitik. Allerdings wird genau jenes Relief ein halbes Jahr später zusammen mit der Plastik sterbende Krieger mit dem preußischen Staatspreis ausgezeichnet.

Nachdem Cremer 1937-1938 ein Studienjahr an der Deutschen Akademie im faschistischen Italien verbringt und 1938 das Meisteratelier der Preußischen Akademie der Künste absolviert hat, wird er im September 1940 zur Wehrmacht eingezogen. Während Cremer als Flaksoldat in Eleusis bei Athen und auf der Insel Kreta eingesetzt ist, wird seine Frau Hanna Berger 1942 als Mitglied der sogenannten ‚Roten Kapelle’, also der Widerstandsgruppe um Harro Schultze-Boysen, inhaftiert. Ihr gelingt 1944 allerdings die Flucht.

In jugoslawische Kriegsgefangenschaft gerät Fritz Cremer 1944. Noch im Gefangenenlager gründet er einen antifaschistischen Ausschuss. Nach seiner Entlassung und der Rückkehr nach Deutschland wird Cremer noch 1946 Professor und Leiter der Bildhauer-Abteilung an der Akademie für angewandte Kunst in Wien. Im selben Jahr schafft er eine Statue für den österreichischen Gedenkraum in Auschwitz und 1947 ein Denkmal für die ‚Opfer des Faschismus’ auf dem Wiener Zentralfriedhof.

Nach seiner Berufung an die Akademie der Künste zu Berlin übersiedelt Fritz Cremer in die DDR. Seine Stationen dort sind erst Potsdam, dann Berlin. 1952 beginnt er seine Arbeit am Buchenwald-Denkmal der Nationalen Mahn– und Gedenkstätte. Nach Einwänden von Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald muss Cremer seine Entwürfe mehrmals umarbeiten, da sie den ehemaligen Gefangenen als „zu wenig siegesbewusst und optimistisch“ erscheinen. Das Denkmal wird 1958 eingeweiht. Bereits in den Jahren 1959 und 1960 arbeitet er an dem Mahnmal in der Gedenkstätte Ravensbrück.

In den Jahren 1961 bis 1965 arbeitet Cremer unter anderem an einem Denkmal für die KZ-Gedenkstätte Mauthausen, welches den Titel „O Deutschland bleiche Mutter“ trägt. Noch im Jahr 1965 erhält der Bildhauer den ‚Vaterländischen Verdienstorden’ in Gold. In der Zeit von 1966 – 1968 entsteht das Denkmal für die antifaschistischen Kämpfer der internationalen Brigaden in Spanien, welches in Berlin-Friedrichshain steht.

1974 bis 1983 ist Cremer Vizepräsident der Ostberliner Akademie der Künste deren Ehrenmitglied er seit 1967 ist. Er unterzeichnet 1976 eine Protestresolution gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns, zieht aber seine Unterschrift nach wenigen Tagen zurück. Erst 1980 gibt es in Duisburg, also in der BRD die erste große Werkausstellung Fritz Cremers. Fritz Cremer stirbt am 1. September 1993 in Berlin.