Arbeitskreis Konfrontationen

Nina Jirsíková-Gurská

Mit dem Vornamen Anna wird Nina Jirsíková 1910 in der Tschechoslowakei geboren und beginnt bereits als Jugendliche mit Tanz und Theaterauftritten. Aus ihrer Jugend- und Schulzeit sind recht wenig Daten oder Ereignisse bekannt. Sie arbeitet ab dem Jahr 1936 in einem Prager Theater mit dem Damen D-41 oder „Dečko. Nina Jirsíková ist dort zugleich Tänzerin, Choreographin, Kostümbildnerin und Leiterin des Bewegungstrainings. Das Theater wendet sich mit seinem linken Selbstverständnis vor allem an junge Menschen und ist mit seinem Publikum durch die Ablehnung des Nazismus eng verbunden. Diese Haltung findet ihren künstlerischen Ausdruck auch nachdem die deutsche Wehrmacht am 14./15 März 1939 einen Teil der tschechoslowakischen Republik (ČSR) besetzt hat und dabei von der deutschen Bevölkerungsminderheit stürmisch begrüßt wurde.

Als im März 1941 das Ballettstück „Das Märchen vom Tanz“ aufgeführt wird, nehmen die Nationalsozialisten die antifaschistische Symbolik des Stücks zum Anlass das Theater zu schließen. Nina Jirsíková, die ihre Wohnung im Theater hat, wird dort am 12. März 1941 verhaftet. Im Dezember des selben Jahres kommt sie in der Prager Gefängnis Pankrác und von dort um die Jahreswende direkt in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Mit der Häftlingsnummer 8681 kommt sie dort in den Block 4. Wie alle Frauen wird sie zur Zwangsarbeit gezwungen. Zuerst in der Kürschnerei und im Anschluss in der Reißerei. 1944 wird sie in die Baracken des Siemenslagers von Ravensbrück verlegt.

Neben ihren Zeichnungen und Skizzen, die sehr häufig satirische sind, kann Nina Jirsíková auch heimlich im Lager tanzen. So probt sie mit anderen Frauen unter schwierigen und lebensgefährlichen Umständen zur Feier des 1. Mai 1944 das Stück „Maj“ von Karel Machás.

Auch ein Lustspiel entsteht in der Lagerhaft, das den Titel „Die Pawlatsche singt 1920-30“ trägt und illegal im Siemenslager zur Jahreswende 1944/45 aufgeführt wird.

Über ihre satirischen Zeichnungen, die im KZ entstanden sind, sagt Frau Jirsíková:
„(...) Davon, was ich im Lager gezeichnet habe, schätze ich die Karikaturen am meisten. Es waren ihrer viele, durch die Mädchen in ein ganzes Buch gebunden, das von Hand zu Hand wanderte. Ich weiß allerdings nicht, wo es geblieben ist. Es waren grausame Themen. Ich erinnere mich an meine eigene Karikatur in schrecklichen Lagerlumpen, mit vom Hunger aufgeblähtem Bauch, und darunter war der text: Ratet ma, wer diese da im Zivilleben war? Eine Tänzerin !!!
Oder ich zeichnete unseren Block, wo um die Fenster und Türen herum Frauen mit Schüsseln standen und um Essen bettelten. Frauen mit Hundeköpfen ( Es war das grausame Lachen über unsere Not, die öfter manche von uns bis zum betteln trieb). Oder ich zeichnete, wie wir aussahen, wenn die Wäsche gewechselt wurde. Man warf uns zu was ihnen unter die Hände kam. So wurden aus uns komikerhafte Vogelscheuchen. Die Kleinen bekamen große Sachen und umgekehrt, die Wäsche voller Flicken und in unglaublichen Abmessungen. Die Erbärmlichkeit unserer Erscheinung rief nach Rache und verleitete direkt zur Karikatur. Die Themen all meiner Karikaturen waren ähnlich grausam wie das Leben selbst um uns herum. (...)“

Nach ihrer Befreiung aus dem Lager kehrt Nina Jirsíková nach Prag zurück und arbeitet dort wieder am Theater. Wegen der Folgen ihrer Lagerhaft kann sie allerdings nicht wieder tanzen, inszeniert aber in den 60er Jahren noch einmal das Stück „Maj“ und gestaltet dessen Bühnenbild. 1972 schreibt sie den Bericht „Über die künstlerische Arbeit im Konzentrationslager Ravensbrück“ für das Theaterinstitut in Prag, aus dem das obige Zitat zu ihren Zeichnungen stammt. Nina Jirsíková-Gurská stirbt im Jahr 1979.