Arbeitskreis Konfrontationen

Will Lammert

Geboren wird Will Lammert am 5. Januar 1892 in Hagen/Westfalen. Er beginnt 1906 eine Lehre als Stuck, -Holz und Steinbildhauer, die bis 1910 dauert. Anschließend beginnt sein Plastikstudium an der Staatlichen Kunstgewerbeschule Hamburg im Jahr 1911. Dieses Studium wird ihm ermöglicht durch Stipendien wohlhabender Hagener Bürger, der Provinz Westfalen und durch die Stadt Hagen, die Auftragsarbeiten an ihn vergibt.

Will Lammert ist in den Jahren 1912 bis 1913 zu einem ersten Studienaufenthalt in Berlin. 1914 wird er, nach Beginn des 1. Weltkriegs, als Soldat eingezogen und schwer verwundet. Nach Ende des Krieges besucht der Künstler, um sein unterbrochenes Studium fortzusetzen, die Fachschule für Keramik in Höhr bei Koblenz. Zu dieser Zeit arbeitet er auch als freischaffender Künstler und Lehrer am Staatlichen Kunstfertigkeitsseminar. Es folgen Aufenthalte in Überlingen und München. Ab 1922 zieht Lammert nach Essen, in die Künstlerkolonie Margarethenhöhe, wo er am Aufbau einer Werkstatt für Keramik, freie und baugebundene Kunst beteiligt ist, die er anschließend leitet.

Will Lammert erhält 1931 den Rompreis der Preußischen Akademie der Künste. Da mit diesem Preis verbundene Stipendium ermöglicht ihm einen Studienaufenthalt in Rom. Bis zum Herbst 1932 wohnt er in der Villa Massimo.

Da Lammert 1932 in die KPD eingetreten ist, drohte ihm nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 die Verfolgung wegen Hochverrats. Daher flieht er noch im Frühsommer desselben Jahres über die Niederlande nach Paris, wohin ihm seine jüdische Frau mit zwei Söhnen folgt. Wegen fehlender Existenzmöglichkeiten wird die Familie aus Frankreich ausgewiesen, erhält 1934 Asyl in Moskau und nimmt dort die sowjetische Staatsbürgerschaft an. Die Werke von Will Lammert werden in Deutschland zum größten Teil durch die Nationalsozialisten zerstört.

Ab dem September 1939 wird Lammert als Deutscher aus Moskau in die Tatarische Autonome Sowjetrepublik ausgewiesen und drei Jahre später in die Arbeitsarmee mobilisiert. Im Jahr 1946 wird er schließlich nach Kasan verbannt wo er sich mit dekorativen und baugebundenen Arbeiten beschäftigt. Er bemüht sich in der Folge um eine Ausreisegenehmigung und kehrt 1951 mit Unterstützung des Dichter und ehemaligen Kulturministers der DDR, Johannes R. Becher, nach Deutschland zurück. Er lebt in der Folge in der DDR. Bereits im folgenden Jahr wird Lammert als Professor berufen und zugleich ordentliches Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. 1952 beginnt er auch mit seiner Arbeit für die Plastik in Ravensbrück, die den Titel „Die Tragende“ erhält, deren Vollendung er jedoch nicht mehr erleben wird.

Will Lammert stirbt am 30. Oktober 1957. Die Ravensbrücker Plastik wird von Fritz Cremer beendet und 1959 in reduziertem Umfang in der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück aufgestellt.

Noch weit nach Lammerts Tod wird 1985 eine Figurengruppe aus hinterlassenen Modellen zum Gedenken an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus verwirklicht. Diese Gruppe steht heute auf dem alten jüdischen Friedhof in Berlin-Mitte.