Arbeitskreis Konfrontationen

Erinnerungskulturen

„Die Zukunft der Erinnerung wird von ihrer Fähigkeit zur Erneuerung abhängen. Gegen die stets drohende Engführung in sprachliche und bildliche Stereotypen werden besonders die Künste gebraucht, die in ihren verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten und Medien die historische Imagination erweitern und prägnante Formen der Vergegenwärtigung von Vergangenem erfinden können.“     Aleida Assmann

Einleitung

Erinnern und Gedenken an die Opfer und Überlebenden der nationalsozialistischen Mord- und Vernichtungspolitik ist heute ein zentraler Bezugspunkt für das deutsche Selbstverständnis. Sowohl für die alte, wie die vereinte Bundesrepublik, als auch für die ehemalige DDR besitzt ein solcher Satz eine umfangreiche und auch widersprüchliche Geltung. Es sind nicht die Gesellschaften an sich, die zur Erinnerung befähigt sind. Dieser sind die einzelnen Menschen fähig und deren Erinnern nimmt nicht nur „immer Bezug auf ein ganzes, umfassendes Weltbild“ 1, sondern ist „auch stets das Erinnern an Menschen in ihren Situationen“ 2. Da Menschen nicht als einzelne, sondern in Kollektiven leben, fließen auch deren einzelnen Erinnerungen in das Gemeinsame ein und verschmelzen zum kollektiven Gedächtnis. Das Gedenken ist im Unterschied zur individuellen Erinnerung an verschiedene Formen und Medien der Vermittlung, wie Denkmäler, Zeichen, Literatur oder auch Handlungen und Rituale, gebunden. Damit ist es Teil der gesellschaftlichen Kommunikation über sich selbst und erfüllt Funktionen gemeinschaftlicher Sinnstiftung.

Skulpturengruppe von Wil und Mark Lammert am Ort des zerstörten jüdischen Friedhofs, Große Hamburger Straße Berlin.
©AKK 2007

So ist es denn kaum verwunderlich, dass das Gedenken ein geschichtspolitisch umkämpftes Feld ist. Für das offizielle Gedenken an die nationalsozialistischen Massenverbrechen und die Vernichtung der europäischen Juden gilt heute, dass sie zwar ein negativer, aber dennoch konstitutiver Bezugspunkt für Deutschland geworden sind. Das betrifft auch die künstlerischen Ausdrucksformen des Gedenkens. Einen möglichen Ausweg aus Funktionalisierung und staatlichen Sinnstiftungsversuchen von Erinnerung und Gedenken stellt sicherlich Micha Brumliks Forderung einer „Ethik des Gedenkens“ dar, die in Anlehnung an Walter Benjamin eine „Unterweisung ins Eingedenken“ beinhaltet und damit einen wichtigen Stellenwert für die pädagogische Arbeit erhält. Der Kern einer „Ethik des Gedenkens“ liegt darin, die „möglichen Ansprüche der Abgeschiedenen zu artikulieren, ohne sie doch zum eigenen Nutzen einzubeuten, sie anwaltschaftlich nach bestem Wissen und Gewissen wahrzunehmen, um dabei zugleich jeder möglichen Vernutzung entgegenzuwirken (...)“ 3.

Das Thema Erinnerungskultur ist hier zu Lande eng verbunden mit den Funktionen eines sekundären Antisemitismus, also eines Antisemitismus trotz und wegen Auschwitz. Aus der Erinnerungs- und Schuldabwehr wie der Verweigerung von Verantwortungsübernahme zielt dessen Funktion vor allem auf die Möglichkeit der Widerherstellung der beschädigten nationalen Identität. Die Projektionen, Leugnungen oder Relativierungen des Holocaust, Umkehrungen von Opfern und Tätern bildeten in den ersten Nachkriegsjahren in den westlichen Besatzungszonen und der BRD den Bodensatz für ein beredtes Beschweigen von eigener Schuld und eigener Verstrickungen in die Täterschaft. In Ostdeutschland bildeten die Glorifizierung des Antifaschismus, der staatliche Antizionismus und die Entschädigungsverweigerung für jüdische Überlebende die ideologischen Entsprechungen. Die Unterschiedlichkeit der politischen Systeme in BRD und DDR hatte nur einen relativ oberflächlichen Charakter. Im Osten übernahm der Staat offen gewaltförmig die Organisation des ‚stummen Zwangs der Verhältnisse’, wie sie im kapitalistischen Westen fortlebten. Doch unter der Oberfläche der Systemauseinandersetzungen blieben die jeweiligen Protagonisten in beiden Staaten jenem instrumentellen Denken verhaftet, welches Auschwitz erst möglich gemacht hatte. „Was unsere Welt nach Auschwitz absurd sein lässt, ist ihre Aushöhlung bis in den innersten Kern. Nichts hält sie mehr verläßlich zusammen, seit dem die Menschen nur auf Grund ihrer ethnischen Zugehörigkeit aus jedem Lebensrecht verstoßen worden sind“ 4, schrieb Volkard Knigge in einem Band über Józef Szajna, Überlebender von Auschwitz und Buchenwald. Wo es im Angesicht des Zivilisationsbruchs 5 von Auschwitz weltweit eines Innehaltens und eines Bruchs mit geschichtsoptimistischen Weltbildern bedurft hätte, suchten Sozialisten und Kommunisten im säkularisierten Heilsversprechen ihrer Ideologie einen gesellschaftlichen Ausweg, auch um den Preis, dass dieser eine Form der Erinnerungs- oder Schuldabwehr darstellte. Die dem entsprechende Haltung im Westen beschrieb Hannah Arendt aus Anlass ihres ersten Nachkriegsbesuchs im Jahr 1950: „Beim Wiederaufbau wird, wie in fast allen Lebensbereichen, alles darangesetzt (...), ein getreues Abbild der ökonomischen und industriellen Vorkriegsverhältnisse zu schaffen (...). Beobachtet man die Deutschen, wie sie geschäftig durch die Ruinen ihrer tausendjährigen Geschichte stolpern und für die zerstörten Wahrzeichen ein Achselzucken übrig haben oder wie sie es einem verübeln, wenn man sie an die Schreckenstaten erinnert, welche die ganze übrige Welt nicht loslassen, dann begreift man, daß die Geschäftigkeit zu ihrer Hauptwaffe bei der Abwehr der Wirklichkeit geworden ist.“ 6

Bis heute sind die Diskurse um Formen der Erinnerung, des Gedenkens oder auch der Entschädigung von Opfern noch von den verschiedensten Verstrickungen begleitet und durchdrungen, selbst dort wo die Generationen gewechselt haben und von primärer Schuld keine Rede sein kann. Die Auseinandersetzungen vor der Eröffnung der ‚Friedrich Christian Flick-Collection’ noch im Jahr 2004 zeigten dies deutlich.

Erinnerungskulturen

In der ersten Phase nach der militärischen Niederlage des nationalsozialistischen deutschen Staates und im Anschluss an die Befreiung der Konzentrations- und Vernichtungslager waren es ehemalige Häftlinge und Verfolgte sowie alliierte Soldaten, welche die ersten schlichten Mahnmale als Gedenkzeichen an den Orten des Grauens und des Terrors errichteten. Nicht selten fanden und finden sich auf den Gedenksteinen und an Gedenkorten aus dieser frühen Zeit Inschriften, die den Tenor „Mahnung und Verpflichtung für die Lebenden“ ausdrücken. Schon am 19. April 1945 wurde auf dem Appellplatz des vormaligen Konzentrationslagers Buchenwald ein hölzerner Obelisk als Provisorium errichtet und während der Totengedenkfeier dieses Tages die Erklärung verlesen, die den berühmt gewordenen ‚Schwur von Buchenwald’ enthielt. Der Kern dieses Schwurs 7 hatte vor allem für die kommunistischen Überlebenden einen identitätsstiftenden und paradigmatischen Charakter für den Aufbau der DDR. Die Geschichte der Gedenkstätte in Buchenwald ist geradezu ein hervorragendes Beispiel dafür, wie „aus einem traumatischen Ort ein heroischer Gedenkort werden kann“ 8.

Die beiden deutschen Nachfolgestaaten jenes monströsen Staatsgebildes entwickelten in der Folge jeweils eigene Formen des Umgangs mit ihrer Vergangenheit und brachten somit Erinnerungs- und Gedächtniskulturen an den Holocaust und die nationalsozialistischen Massenverbrechen hervor, die auf den ersten Blick sehr verschieden sind. In der jungen Bundesrepublik war der Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit ein geschichtspolitischer Kampf um die Anerkennung und Wahrnehmung der Verbrechen. Gegen Restauration und die weitgehende Kontinuität der Eliten, aber auch gegen das Verdrängen und die Schuldabwehr seitens der Mehrheit der westdeutschen Bevölkerung richteten sich die Bemühungen von Überlebenden der Konzentrations- und Vernichtungslager, von zurückgekehrten Künstlern und Intellektuellen, aber auch von Teilen der Kirchen und Gewerkschaften. Demgegenüber schuf sich die DDR ein Selbstverständnis als antifaschistischer Staat.

Denkmal Befreiung von René Graetz, Gedenkstätte Sachsenhausen.
©AKK 2007

Ohne Zweifel waren die Formen des DDR-Gedenkens und der als Staatsideologie fungierende Antifaschismus von den Interesse der eigenen Legitimation durch Abgrenzung zur BRD geleitet. Hinter den propagierten Vorstellungen des antifaschistischen Kampfes, der auch in den Konzentrationslagern durchaus geführt wurde, und den Kommunisten als der ersten Opfer der Nationalsozialisten, verschwanden andere Opfer- und Verfolgtengruppen. Sie wurden unter das Bild des antifaschistischen, meist kommunistischen, Kämpfers subsummiert. Den ermordeten und verschleppten Homosexuellen wurde von staatsoffizieller Seite ebenso wenig gedacht, wie den Zeugen Jehovas oder den sogenannten Asozialen. Die Vernichtung der Juden sowie der Sinti und Roma wurde nicht als Zivilisationsbruch erfasst, sondern diente lediglich als Beweis für die Unmenschlichkeit des deutschen Faschismus und die „imperialistischen Tendenzen“ des Kapitalismus. Durch den Bezug auf eine Faschismustheorie in der lediglich eine kleine Gruppe von „Monopolkapitalisten“ für den Aufstieg des Nationalsozialismus verantwortlich war, wurde der größte Teil der deutschen Bevölkerung exkulpiert 9. Trotzdem war der Antifaschismus in der DDR nicht ausschließlich staatlich verordnet. Für viele Überlebende der Konzentrations- und Vernichtungslager war er der ernst gemeinte Versuch, aus der Geschichte eine Konsequenz zu ziehen.

Die unterschiedlichen Erinnerungs- und Gedenkkulturen in BRD und DDR geben allerdings wenig Anlaß die westlichen Varianten als die besseren oder passenderen Formen des Umgangs mit der NS-Vergangenheit zu betrachten. In der DDR wurde bereits im September 1958 die erste Nationale Mahn- und Gedenkstätte (NMG) auf dem Ettersberg bei Weimar eingerichtet, während es in der Bundesrepublik bis 1965 kein offizielles Interesse gab an den Orten ehemaliger Konzentrationslager Gedenkstätten einzurichten. So lag die Arbeit die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus aufrecht zu erhalten vor allem bei Überlebendenverbänden, wie der VVN/BdA und bei der in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts entstehenden Geschichtswerkstattbewegung.

Zur Geschichte des Umgangs mit den ehemaligen Konzentrationslagern gehört auch die Tatsache, dass diese in beiden deutschen Teilstaaten zum Teil fragwürdige Nachnutzungen erfahren haben. In Buchenwald und Sachsenhausen wurden sowjetische Speziallager 10 errichtet, in denen neben größeren und kleineren NS-Funktionären auch potentielle Widersacher der neuen SED-Regierung, darunter auch in verschiedenen Fällen Häftlinge die bereits durch die Nationalsozialisten im KZ waren, interniert worden sind. Die immer wieder Behaupteten Gleichsetzungen von Konzentrations- und Speziallagern sind auf Grund der unterschiedlichen Quantität und Qualität hoch problematisch. Prägnant in den Worten des Philosophen Jürgen Habermas ausgedrückt ist die „politische Kriminalität (...) in beiden Fällen nicht nur von anderer Größenordnung, sondern auch von anderer Art. Die DDR hat keinen Weltkrieg mit 50 Millionen Opfern, keinen Völkermord in der Form industrialisierter Massenvernichtung zu verantworten. (...) Auch im Hinblick auf ihre geistigen Grundlagen kann man Nazi- und DDR-Regime nicht in einen Topf werfen. Gewiß diente der Marxismus-Leninismus von Anbeginn der Legitimation eine menschenverachtenden Praxis. Aber selbst in dieser dogmatisch versteinerten und degenerierten Lesart der marxistischen Tradition steckte noch ein kritisches Potential, das von Dissidenten (...) immer wieder gegen die totalitäre Praxis aufgeboten werden konnte.“ 11 Dennoch bleibt jeder Fall von Mord, Verschleppung, Folter und staatlicher Verfolgung ein Fall zuviel.

Das ehemalige Frauenkonzentrationslager Ravensbrück, an dessen Rande 1959 eine ‚Nationale Mahn- und Gedenkstätte’ eingeweiht wurde, fungierte als zweitgrößter Truppenstützpunkt der Sowjetarmee. Solche Nutzungen und die daraus folgenden Überformungen des Geländes finden sich in vielen Gedenkstätten. Eine Folge dieser Art von Nutzung der vormaligen Lagergelände war unter anderem, dass sie für Gedenkfeiern nicht verfügbar waren und aus diesem Grund die späteren Mahn- und Gedenkstätten nur randständige Teilbereiche des eigentlichen Komplexes umfasst haben, eine Ausnahme bildet hier nur die im April 1961 eröffnete Gedenkstätte in Sachsenhausen.

Justizvollzugsanstalt auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Neuengamme.
©AKK 2006

Für die Bundesrepublik werden an dieser Stelle nur zwei Beispiele der Nachkriegsnutzung ehemaliger Konzentrationslager herausgehoben. In Neuengamme diente das Gelände - auf der Grundlage der Beschlüsse der Alliiertenkonferenz von Potsdam - zwischen 1945 und 1948 als Internierungslager für ehemalige NS-Funktionäre und wurde anschließend „der Hamburger Gefängnisbehörde übergeben (...), die seitdem das Gelände und einen Teil der Gebäude als Gefängnis nutzte (...)“ 12. Eine andere Funktion bekam das KZ Bergen-Belsen im heutigen Niedersachsen in den Jahren 1945-48: Es diente als Displaced Person-Camp für jüdische Überlebende des Holocaust. Zum problematischen Umgang mit den ehemaligen Konzentrationslagern in beiden deutschen Staaten gehört weiterhin, dass im Rahmen der Gedenkstättenkonzeptionen historisch bedeutsame Reste wie bestehenden Barackenruinen zu großen Teilen abgerissen wurden.

Betrachtet man die offizielle Gedenk- und Erinnerungspolitik in BRD und DDR, so ergeben sich für beide Staaten Instrumentalisierungen, Verdrängungen und ideologisch motivierte Geschichtsbilder. Vorbehaltlos kann Ulrike Puvogels Ansicht zugestimmt werden und zugleich auf die Gedenkultur der DDR erweitert werden, dass „die Sprache des öffentlichen Gedenkens in Westdeutschland vergleichende Verallgemeinerungen, Entdifferenzierungen und Entkonkretisierungen durch standardisierte Texte und pauschale Formeln statt der Benennung von Opfern und Tätern und Ereignissen“ 13 benutzt. Es spielt bei der Betrachtung von Erinnerung und Gedenken im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus eine bedeutende Rolle, dass sie bis 1989 in die innerdeutsche Systemkonfrontation eingebettet waren, „die im Osten eine antifaschistisch-antikapitalistische Erinnerungskultur hervorbrachte und im Westen eine antitotalitär-antikommunistisch geprägte 14.

Die geschichtspolitischen Diskurse in der DDR waren von Anfang zäh und blieben im staatlichen Antifaschismus verhaftet. In ihnen findet sich eine Stauung der Zeit, die unter anderem im ‚Statut der Nationalen Mahn- und Gedenkstätten’ vom 28. Juli 1961 ihren Ausdruck findet. Das Statut definiert die einheitlichen Aufgaben der NMG, das Erinnerungsprogramm und die zu verfolgende Geschichtspolitik im Sinne der SED. Bis zur Auflösung der DDR wurde das Statut nicht verändert. Die in Buchenwald zelebrierte, geradezu kultische Verehrung von Ernst Thälmann – als personalisierende Identitätspolitik - ist ebenso kritisierenswert wie die geschichtspolitische Hierarchisierung der Verfolgtengruppen. Eine Folge dieser Hierarchisierungen war eine implizite Bagatellisierung der Shoa. Im Gegensatz zum Schweigen in der Bundesrepublik wurden die Verfolgungen von Kommunisten und antifaschistisch Tätigen immerhin benannt. Das Leiden und auch der Kampf von Juden jedoch wurden nur am Rande wahrgenommen. So war es nicht ungewöhnlich, dass in Ausstellungen der NMG inhaftierte Juden einfach unter der Bezeichnung ‚Polen’ geführt wurden. Die Geschichte der Erinnerungskultur in der DDR ist eine vielschichtige. Dissident zu dem staatsoffiziellen Gedenken engagierten sich Einzelpersonen, Gruppen von Künstlern und die Aktion Sühnezeichen in durchaus vorhandenen Nischen, aber auch im staatlichen Apparat. Die offizielle Gedenkkultur zeigt allerdings deutlich wohin staatliche und nationale Sinnstiftungsversuche des Gedenkens an die NS-Massenverbrechen und den Holocaust auf der Basis eines ungebrochen positiven Geschichtsbildes führen können.

Die Gedenkkulturen beider deutscher Staaten und ihre ästhetischen Äußerungsformen weisen deutliche Anklänge an eine christliche wie vorchristliche Sakralkultur auf in säkularisierter Form auf und verbinden sie mit nationalen Traditionen. So knüpfte der durch das Buchenwald-Kollektiv gestaltete Ehrenhain auf dem Ettersberg, einen Kilometer vom ehemaligen Häftlingslager entfernt, an das Vorbild des christlichen Kreuzweges an 15 und orientierte sich zugleich an historischen Vorbildern „vom ägyptischen Altertum über die griechische und römische Antike bis hin zu mittelalterlicher Burgarchitektur“ 16. Eine ausgeprägt (katholisch-)christliche Sinngebung findet sich im Westen in ihrer wohl auffälligsten Form in der Gedenkstätte Dachau mit Einbettung und Umrahmung durch die ‚Todesangst Christi’ Kapelle aus dem Jahr 1960, dem Sühnekloster ‚Heilig Blut’ und der evangelischen Versöhnungskirche von 1967. Die Existenz einer kleinen jüdischen Gedenkstätte mag in diesem Kontext fast marginal wirken. Beinah schon in Analogie zum realsozialistischen Dreiklang ‚vom Sterben zum Kämpfen zum Sieg’ wird in Dachau die Lagergeschichte und die des Nationalsozialismus „in die christliche Heilsgeschichte – und gewißheit“ eingefügt „als ein zwar grauenvolles Element, aber der grauenvolle Tod ist ja gerade ein entscheidendes Merkmal für den Glauben und Gott bezeugenden Tod des christlichen Märtyrers“ 17. Die Bezugnahme auf das Sakrale, ja eine Christianisierung der Formen und Zeichensprache eint die unterschiedlichen Formen des Umgangs mit der Geschichte ebenso wie die Zerstörung der Relikte auf den ehemaligen Lagergeländen.

Der christliche Gedanke des Märtyrertums und der Versöhnung spiegelte sich im Jahr 1993 im Umgang mit der Neuen Wache in Berlin-Mitte wieder. Das von Karl Friedrich Schinkel entworfene Gebäude hat eine wechselvolle Geschichte. Ursprünglich diente es als Wachhaus für die Wache des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm II und als Gedenkstätte für die Gefallenen der napoleonischen Kriege. Seit 1931 fungierte es in der Weimarer Republik als Gedenkstätte für die Toten des Ersten Weltkrieges und wurde von den Nationalsozialisten als Reichsehrenmal für Hitlers Auftritte genutzt. Das im Krieg weitgehend zerstörte Gebäude wurde restauriert und als Mahnmal der DDR genutzt, das den ‚Den Opfern des Faschismus und Militarismus’ gewidmet war. Deutlich wurden in dieser Nutzung die preußischen Traditionsbezüge mit der ständigen Ehrenwache zweier Soldaten der Nationalen Volksarmee. 1969 wurden aus Anlass des 20jährigen Bestehens der DDR im Innern eine Ewige Flamme installiert sowie die sterblichen Überreste eines namentlich unbekannten Häftlings aus einem Konzentrationslager und eines unbekannten Soldaten beigesetzt.

Die Pietà von Käthe Kollwitz, 1937

Anfang der 90er Jahre entschied der damalige Bundeskanzler Kohl, dass die Neue Wache zur ‚Zentralen Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft’ ernannt werden soll. Zu diesem Zweck wurde durch den Künstler Harald Hacke eine auf 1,50 m vergrößerte Kopie einer Statue der sozialistischen Künstlerin Käthe Kollwitz mit dem Namen ‚Mutter und Sohn’ geschaffen. Die im Original nur knapp 40 Zentimeter große Statue widmete Käthe Kollwitz ihres Sohnes Peter „allen Opfern von Krieg und Gewalt“. Sie ist unter dem Namen Pietà bekannt geworden. Die Pietà aber ist in der bildenden Kunst die Darstellung der Maria mit dem Leichnam von Jesus Christus. Die Vereinnahmung stieß auf vielstimmige Kritik. In der ZEIT stellt der Historiker Reinhard Kosselleck die Angemessenheit dieser Statue, in Frage: „Denn die Pietà schließt sowohl die Juden aus wie die Frauen, die beiden größten Gruppen der unschuldig Umgebrachten und Umgekommenen des Zweiten Weltkrieges. Dies ist antijüdisch: Hinter der Trauer um den Leichnam Christi lauern seit dem späten Mittelalter bösartig visualisierten Juden, die den Gottessohn ermordet hätten. Und hinter der sichtbar überlebenden Mutter rufen Millionen vernichteter, ermordeter oder vergaster und verschwundener Frauen: Und wer gedenkt unser? Ein doppelter Mißgriff mit Folgen, die sich auch aus einer deshalb ästhetisch zweitrangigen Lösung zwingend ergeben. Der Fehler gebiert ästhetische Missgestalten.“ 18 Der Missgriff des damaligen Kanzler war kein allein ästhetischer, sondern zeigt das dialektische Verhältnis von Kunst und Gesellschaft, welches sich besonders in den Formen öffentlichen und staatlichen Gedenkens manifestiert. Zu dem quasi-religiösen Charakter der Erinnerungskultur bekommen, schrieb bereits im Jahr 1994 der Hannoveraner Soziologe Detlev Claussen: „Eine Art Erinnerungskultur, der in einer Welt ohne Glauben die Funktion einer Ersatzreligion zukommt, hat weltweit die leere Stelle ausgefüllt, die das Vergessen der zivilisatorischen Katastrophe immerhin noch freigehalten hatte. Die Erinnerungskultur strapaziert jetzt aber für weltliche Zwecke die religiösen Werte, die ihre traditionelle Selbstverständlichkeit verloren haben (...)“ 19.

Und noch ein anderes wird sichtbar: Die Kategorie des Gedächtnis ist nicht zu denken ohne materielles wie ideologisch bedingtes Interesse. Die Pietà von Kollwitz erinnert an den 1. Weltkrieg, stellt jedoch in der Intention der Künstlerin keine Verbindungslinie her zu dem deutschen Vernichtungskrieg der Jahre 1939 bis 1945. Verschärft wurde die Problematik der Neuen Wache noch durch das Anbringen einer Tafel, deren Text unterschiedslos alle Toten des Zweiten Weltkrieges einschließt 20. Die Verfolgten und Ermordeten des Nationalsozialismus wie auch Wehmachtssoldaten werden „gleichsam als Opfertote in diesen Kanon der Erinnerungsweihestätte einbezogen“ 21. Diese nationale Vereinnahmung der Verfolgtengruppen und ihre Funktionalisierung trägt einen stark narzisstischen Charakter in sich. Gedacht wird nicht der ‚Anderen’, also jener die von der damaligen Generation der Deutschen ermordet und vernichtet wurden, sondern jene Verfolgten dienen nur als Transmitter des Gedenkens an das eigene Kollektiv. „So mag man die Neue Wache als eine zentrale Gedenkstätte lesen, die in ihrem Kern ein inadäquates Kunstwerk benutzt, eine Erinnerungsgeste als Versöhnungsgeste in Szene setzt, die den Toten aus der Sicht der Nachkommen nicht gerecht wird, und deshalb mancher Korrekturen und Ergänzungen von außen bedarf.“ 22.

Äußerliche Korrekturen und Ergänzungen, deren eine die pädagogische Vermittlung darstellen kann, fordert auch das ‚Denkmal für die ermordeten Juden Europas’. Dessen Entstehungsgeschichte 23 resultiert unter anderem aus dem Vorgehen Helmut Kohls bezüglich der Neuen Wache. Der damalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Ignatz Bubis, gab seine Teilnahmezusage an der Einweihungszeremonie erst, nachdem der Bundeskanzler ein eigenes Denkmal für die ermordeten Juden zugesichert hatte. Der Gedanke ein eigenes Denkmal für die Shoa zu schaffen kursiert allerdings schon seit den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts und erfuhr durch die private Initiative der Fernsehjournalistin Lea Rosh und des Historikers Eberhard Jäckel einen entscheidenden Schub. Im Januar 1989 veröffentlichte deren Bürgerinitiative ‚Perspektive Berlin’ den ersten Aufruf für die Errichtung eines solchen Denkmals. Unterstützt wurde das Vorhaben durch Willy Brandt und Günter Grass. Die ersten Entwürfe situierten das geplante Denkmal noch auf dem Prinz-Albrecht-Gelände wo sich zwischen 1933 und 1945 mit dem Sitz der Reichsführung SS, der Zentrale der Gestapo, dem Sicherheitsdienst der SS und dem Reichssicherheitshauptamt, die wichtigsten Schaltstellen der nationalsozialistischen Repressions- und Vernichtungspolitik befanden. Seit den 80er Jahren befindet sich an diesem Ort die Dokumentation ‚Topographie des Terrors’.

Die Idee der ‚Initiative Berlin’, die in dem neu entstandenen ‚Förderkreis zur Errichtung eines Denkmals für die ermordeten Juden Europas’ aufgegangen war, blieb von Anfang an umstritten. Schon im April 1989 kritisierte der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma die exklusive Ausrichtung des Denkmals auf die ermordeten Jüdinnen und Juden mit der Feststellung „Holocaust heißt auch die Vernichtung von 500 000 Sinti und Roma“ und forderte ein „gleichberechtigtes Gedenken an alle Völkermordopfer“ 24. Diese Kritik wird die beinahe zehnjährige Debatte um das zentrale Denkmal an die ermordeten Juden ebenso begleiten, wie die Frage nach dessen Legitimität insgesamt. So schrieb Salomon Korn in der Frankfurter Rundschau vom 4. September 1997 über die offizielle Positionierung in diesem Zusammenhang, dass es die staatliche Aufgabe gewesen wäre, „im öffentlichen Gedenken die Totalität des nationalsozialistischen Massenmordes zu wahren und daraus die Notwendigkeit eines ‚ungeteilten’ Mahnmals gegen den nationalsozialistischen Massenmord abzuleiten“ stattdessen hätte sich die Bundesrepublik die Interessen eines privaten Förderkreises zu eigen gemacht und so „partikularistisches Privatgedenken (...) gleichsam staatlich ‚geadelt’“ 25. Zugleich stellte Korn die Frage, ob nicht das „Denkmal für die ermordeten Juden ein zentrales Mahnmal gegen Tat und Täter“ 26 verhindern würde. Lea Rosh wurde in ihrer Initiative ursprünglich durch ihre Wahrnehmung der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem inspiriert. Eine Übertragung des Erinnerns an jüdische Opfer aus dem israelischen Kontext auf das Land der Täter ist jedoch nicht möglich.

Mit der Vereinigung richten sich auch die Koordinaten für den Standort des Denkmals neu aus. Der Förderkreis schlug einen Standort in den ehemaligen Ministergärten vor. Diese Idee wurde durch die Bundesregierung vom April 1992 an offiziell unterstützt, die sich bereit erklärte ein Teilgelände der Ministergärten zur Verfügung zu stellen. Im April 1994 wurde der künstlerische Wettbewerb für das Denkmal durch die Berliner Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen ausgelobt. Insgesamt wurden 528 Arbeiten von Künstlern eingereicht und durch eine Jury, deren Vorsitz der Schriftsteller Walter Jens inne hatte, geprüft. Die beiden ersten Preise wurden an Entwürfe von Simon Ungers und an eine Gruppe um Christine Jackob-Marcks vergeben. Deren Entwurf, der von den Auslobern empfohlen wird sah eine elf Meter hohe, 2000 Quadratmeter hohe schiefe Ebene aus Beton vor, in welche die Namen der ermordeten Juden eingraviert werden sollten. An dem prämierten Entwurf entzündete sich die geschichtspolitische Debatte neu. Der Hannah Arendt Übersetzer Eike Geisel schrieb polemisch über „das Monument der Vernichtungsgewinnler“ 27. Salomon Korn nannte den Vorschlag eine „ins Monströse gesteigerte(...) Grabplatte“ und empfand einen bitteren Nachgeschmack, „wenn für die Errichtung eines Holocaust-Mahnmals in Berlin Gelder zur Verfügung stehen, während gleichzeitig die früheren Konzentrationslager Ravensbrück und Sachsenhausen dem Verfall preisgegeben sind“ 28. Vermehrt wurde auch um die Frage nach einer adäquaten ästhetischen Darstellungsart des Gedenkens an den industriellen Massenmord diskutiert. Durch den Einspruch des Kanzlers geriet das gesamte Vorhaben in eine grundsätzliche Krise.

Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin.
©AKK 2006

Im Juni 1997, als nach kontroversen Debatten sowohl der Standort wie das Projekt nochmals grundsätzlich diskutiert wurden, fiel die Entscheidung am vorgesehenen Standort in den Ministergärten festzuhalten und ein neues Wettbewerbsverfahren einzuleiten. Nach intensiven Diskussionen kristallisierte sich der Entwurf von Peter Eisenman und Richard Serra als Favorit heraus. In Folge erneuten Intervention von Helmut Kohl überarbeitete Eisenman den Entwurf worauf sich Serra aus dem Projekt zurückzog. Die neuerlichen Diskussionen kreisten vor allem darum, ob der Denkmalsentwurf für sich selber spricht oder durch ein Dokumentations- und Forschungszentrum ergänzt werden sollte. Erst im Sommer 1998 beschloss der Bundestag per Gesetzt den Bau des Entwurf des Stelenfeldes am vorgesehenen Standort. Es sollte durch einen ‚Ort der Information’ ergänzt werden. Am 27. Januar 1999 wurde der symbolische Baubeginn gefeiert. Der Eröffnung des Denkmals am 10. Mai 2005 ging noch ein besonderer Skandal voraus. Zum Schutz vor Graffiti sollen die Stelen mit einem Schutz überzogen werden. Den Auftrag für diesen Schutzbelag erhält ausgerechnet die Firma Degussa, deren Tochterunternehmen Degesch im Nationalsozialismus das Gas Zyklon B zur Judenvernichtung geliefert hatte. Im Zuge der Diskussionen um diese Pikanterie wurden die Bauarbeiten im Jahr 2003 zwischenzeitlich eingestellt. Letztendlich verblieb der Auftrag bei der Firma Degussa.

Die langjährige Debatte um das Denkmal für die ermordeten Juden zeigte die Schwierigkeiten der künstlerischen Repräsentation des Holocaust in Form eines zentralen, nationalen Denkmals auf. Die Debatte ist letztlich eine der Selbstvergewisserung der deutschen Gesellschaft gewesen, in der die eigentliche Dimension, nämlich die Vernichtung der Juden und des Judentums in Europa durch Deutsche, verloren zu gehen drohte. Wer heute das Denkmal besucht, welches im Volksmund ‚Holocaust-Mahnmal’ heißt, der trifft auf Schulklassen und Touristen, die an dem Ort mehr oder weniger flüchtig verweilen und die Stelen häufig genug als Picknickplatz oder Aussichtspunkt nutzen. Der Architekt Eisenman äußert sich hierüber eher erfreut.

Doch wo liegt die Zukunft der Erinnerung? In Orten, die keine historischen sind? Das Berliner Denkmal bedarf der Erklärung und Vermittlung. Diese leistet der Ort der Information. Die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann beschreibt ihre Vorstellung künftiger Erinnerungskultur: „Die Zukunft der Erinnerung wird von ihrer Fähigkeit zur Erneuerung abhängen. Gegen die stets drohende Engführung in sprachliche und bildliche Stereotypen werden besonders die Künste gebraucht, die in ihren verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten und Medien die historische Imagination erweitern und prägnante Formen der Vergegenwärtigung von Vergangenem erfinden können.“ 29 Ergänzend hinzuzufügen wäre allenfalls, dass die historischen Imaginationen begleitet werden müssen durch Geschichts- und Gesellschaftsinformationen, wenn künftige Formen der Erinnerung bei den Einzelnen nicht auf der Stufe der Emotionalisierung verbleiben, sondern die kritische Reflexion eigener geschichtlicher Verantwortung beinhalten sollen.


1 Brumlik (1995), S.126.
2 Ebda. S.129.
3 Ebda S.114.
4 Scheurmann (2002) S.18.
5 Für den Historiker Dan Diner bedeutet die Vernichtung der europäischen Juden einen „Zivilisationsbruch“’ und „so etwas wie die Widerlegung einer Zivilisation, deren Denken und Handeln einer Rationalität folgt (...)“ (Diner 1988, S.8). Mit Auschwitz, der industriell durchgeführten Massenvernichtung, die rational geplant einem irrationalen gesellschaftlichen Wahn entsprungen ist, sind wesentliche Grundlagen zwischenmenschlichen Verhaltens zerstört worden. „Ein sozial gewachsenes Vertrauen in Leben und Überleben bedingende gesellschaftliche Regelhaftigkeit wurde ins Gegenteil verkehrt: Regelhaft war die Massenvernichtung – Überleben hingegen dem bloßen Zufall geschuldet.“ (Ebda. S. 8). Die Zufälligkeit des Überlebens ist mehr als nur ein individuelles Trauma für die Überlebenden und die Davongekommenen. Das Sterben in den Lagern berührt noch das Leben und Sterben außerhalb und staut den Fluß der Geschichte. So sind mit Auschwitz auch Gesellschaftsmodelle, die sich einem Geschichtsoptimismus und jeglicher technischen Rationalität verschrieben haben obsolet geworden.
6 Arendt (1999) S.50 f.
7 Die zentrale Passage lautet: „Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht. Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.(...)“
8 Assmann (2006) S.220.
9 Ausführlich wird die Problematik des Antisemitismus und der Schuldabwehr in der frühen DDR im Zusammenhang mit manichäischen Weltbildern, Nationalismus und der Reduktion von Kapitalismuskritik auf das Finanzkapital diskutiert von Thomas Haury: Antisemitismus von links. Kommunistische Ideologie, Nationalismus und Antizionismus in der früheren DDR. Hamburg (2002). Für die oben geschilderte Problematik vor allem S. 374 ff.
10 Die Geschichte der Speziallager und ihrer Opfer kann an dieser Stelle nur eine beiläufige Erwähnung finden, da die thematische Schwerpunktsetzung dieses Kapitels eine andere ist.
11 Habermas (1994) S.250 f.
12 Lange (1996) S.115.
13 Puvogel (1999) S.16.
14 Reichel (1999) S.230.
15 vgl. Fibich (1999a) S.180
16 Fibich (1999b) S.267.
17 Knigge (1992) S.252.
18 DIE ZEIT(1998) Nr.13.
19 Claussen (1994) S 129.
20 Der Gesamttext der außerhalb der Neuen Wache angebrachten Tafel ist nachzulesen in: Reichel (1999), S 208.
21 Funke (1999) S.169.
22 Reichel (1999) S.209.
23 Die vielfältigen Zweiglinien des Diskurses, mit ihren diversen erinnerungspolitischen Implikationen, vollständig darzustellen haben bereits viele Publikationen unternommen. Wir beschränken uns daher an dieser Stelle auf eine, zwangsläufig sehr verkürzende, knappe Darstellung.
Einen weitgehend vollständigen Überblick über die Entstehung des Denkmalprojekts, die Debatten in Zeitungen, im Bundestag sowie über den künstlerischen Wettbewerb und die unterschiedlichen Konzeptionen bietet der Band ‚Der Denkmalsstreit – das Denkmal? Die Debatte um das >>Denkmal für die ermordeten Juden Europas<< - eine Dokumentation’ von Ute Heimrod et al herausgegeben. Mit einem Umfang von über 1.200 Seiten ist dieses Kompendium jedoch für die Bildungsarbeit nur nutzbar, wenn ein intensives Quellenstudium betrieben werden soll. Kompakter ist das von Michael S. Cullen herausgegebene Buch ‚Das Holocaust-Mahnmal. Dokumentation einer Debatte’. Das Taschenbuch enthält eine Auswahl an Zeitungsartikeln, die Texte der Wettbewerbsausschreibung sowie eine Chronologie.
24 Heimrod (1999) S.54.
25 Cullen (1999) S.172 f.
26 Ebda. S. 171.
27 Heimrod (1999) S.433.
28 Cullen (1999) S.39.
29 Assmann (2006) S.249.
Brumlik (1995), S.126.
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Ebda. S.129.
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Ebda S.114.
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Scheurmann (2002) S.18.
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Für den Historiker Dan Diner bedeutet die Vernichtung der europäischen Juden einen „Zivilisationsbruch“’ und „so etwas wie die Widerlegung einer Zivilisation, deren Denken und Handeln einer Rationalität folgt (...)“ (Diner 1988, S.8). Mit Auschwitz, der industriell durchgeführten Massenvernichtung, die rational geplant einem irrationalen gesellschaftlichen Wahn entsprungen ist, sind wesentliche Grundlagen zwischenmenschlichen Verhaltens zerstört worden. „Ein sozial gewachsenes Vertrauen in Leben und Überleben bedingende gesellschaftliche Regelhaftigkeit wurde ins Gegenteil verkehrt: Regelhaft war die Massenvernichtung – Überleben hingegen dem bloßen Zufall geschuldet.“ (Ebda. S. 8). Die Zufälligkeit des Überlebens ist mehr als nur ein individuelles Trauma für die Überlebenden und die Davongekommenen. Das Sterben in den Lagern berührt noch das Leben und Sterben außerhalb und staut den Fluß der Geschichte. So sind mit Auschwitz auch Gesellschaftsmodelle, die sich einem Geschichtsoptimismus und jeglicher technischen Rationalität verschrieben haben obsolet geworden.
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Arendt (1999) S.50 f.
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Die zentrale Passage lautet: „Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht. Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.(...)“
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Assmann (2006) S.220.
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Ausführlich wird die Problematik des Antisemitismus und der Schuldabwehr in der frühen DDR im Zusammenhang mit manichäischen Weltbildern, Nationalismus und der Reduktion von Kapitalismuskritik auf das Finanzkapital diskutiert von Thomas Haury: Antisemitismus von links. Kommunistische Ideologie, Nationalismus und Antizionismus in der früheren DDR. Hamburg (2002). Für die oben geschilderte Problematik vor allem S. 374 ff.
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Die Geschichte der Speziallager und ihrer Opfer kann an dieser Stelle nur eine beiläufige Erwähnung finden, da die thematische Schwerpunktsetzung dieses Kapitels eine andere ist.
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Habermas (1994) S.250 f.
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Lange (1996) S.115.
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Puvogel (1999) S.16.
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Reichel (1999) S.230.
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vgl. Fibich (1999a) S.180
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Fibich (1999b) S.267.
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Knigge (1992) S.252.
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DIE ZEIT(1998) Nr.13.
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Claussen (1994) S 129.
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Der Gesamttext der außerhalb der Neuen Wache angebrachten Tafel ist nachzulesen in: Reichel (1999), S 208.
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Funke (1999) S.169.
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Reichel (1999) S.209.
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Die vielfältigen Zweiglinien des Diskurses, mit ihren diversen erinnerungspolitischen Implikationen, vollständig darzustellen haben bereits viele Publikationen unternommen. Wir beschränken uns daher an dieser Stelle auf eine, zwangsläufig sehr verkürzende, knappe Darstellung.
Einen weitgehend vollständigen Überblick über die Entstehung des Denkmalprojekts, die Debatten in Zeitungen, im Bundestag sowie über den künstlerischen Wettbewerb und die unterschiedlichen Konzeptionen bietet der Band ‚Der Denkmalsstreit – das Denkmal? Die Debatte um das >>Denkmal für die ermordeten Juden Europas<< - eine Dokumentation’ von Ute Heimrod et al herausgegeben. Mit einem Umfang von über 1.200 Seiten ist dieses Kompendium jedoch für die Bildungsarbeit nur nutzbar, wenn ein intensives Quellenstudium betrieben werden soll. Kompakter ist das von Michael S. Cullen herausgegebene Buch ‚Das Holocaust-Mahnmal. Dokumentation einer Debatte’. Das Taschenbuch enthält eine Auswahl an Zeitungsartikeln, die Texte der Wettbewerbsausschreibung sowie eine Chronologie.
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Heimrod (1999) S.54.
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Cullen (1999) S.172 f.
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Ebda. S. 171.
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Heimrod (1999) S.433.
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Cullen (1999) S.39.
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Assmann (2006) S.249.
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