Arbeitskreis Konfrontationen

Schichten der Gedenkstätte
1. Kunst – eine Begriffsanalyse

Da der umfassende Komplex Kunst den Anknüpfungs- und Ausgangspunkt des Gesamtmoduls darstellt, bietet diese einführende Einheit die Möglichkeit einer Begriffsklärung, die von den Teilnehmern anhand eines Clusters entwickelt wird. Hier geht es nicht darum, eine allgemeingültige lexikalische Definition zu entwickeln, sondern vielmehr um eine individuelle Vergegenwärtigung, was unter dem selbstverständlich und alltäglich genutzten Begriff Kunst gefasst wird. Die weit formulierte Fragestellung „Was ist Kunst?“ oder „Was versteht ihr/verstehen Sie unter Kunst?“ ermöglicht, die vielfältigen Bedeutungsinhalte und den Kontext von Kunst bewusst zu machen. Hier können die spezifischen Gattungen auftauchen, wie Bildende Kunst, darstellende Kunst, Architektur, Literatur und Dichtkunst. Oder Stile und Epochen wie Renaissance, Barock, Romantik, Realismus, Moderne. Ebenso von Bedeutung ist die Motivation des Menschen sich künstlerisch auszudrücken und die Fähigkeiten, die dazu gefordert sind wie Fantasie, Kreativität, Begabung. Die Frage des Geschmacks, also die Beurteilung von Kunst weist schließlich auf den gesellschaftlichen Kontext. Diese gesellschaftliche Rückbindung von Kunst bietet auch die Möglichkeit, sie in verschiedenen politischen Systemen politisch wie ideologisch zu funktionalisieren, was ebenfalls in der Methode thematisiert wird. Die Cluster-Methode steht für spontanes Assoziieren in alle Richtungen und eine anschließende Systematisierung. Anhand der entwickelten Teilbereiche wird deutlich, dass künstlerische Werke als individuelle Ausdrucksformen ihrer Zeit, Kultur wie auch der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse, in der sie entstehen und gedeutet werden, zu lesen sind.

Ablauf

Die Teilnehmer erhalten Metaplankarten und Stifte und teilen sich in Zweiergruppen auf. Sie werden gebeten, ihre Assoziationen und Gedanken zum Thema Kunst niederzuschreiben und dazu auf jeder Karte nur einen Begriff zu notieren, den sie mit Kunst in Verbindung bringen. Dazu wird den Gruppen cirka 15 Minuten Zeit gegeben. Anschließend treffen sich alle in großer Runde wieder. Der Teamer bittet die Kleingruppen, ihre Begriffe vorzustellen, die an der Wand befestigt werden. Nach der Präsentation ordnet der Teamer mit der Gruppe die Karten in einem Cluster an, indem Begriffe aus ähnlichen oder korrespondierenden Zusammenhängen nebeneinander, bzw. untereinander an die Wand gehängt werden. Begriffe, die von der Bedeutung her auseinanderliegen bzw. gegensätzlich sind, können entsprechend gegenüberliegend angeordnet werden. Auch vertikale und horizontale Achsen können entwickelt werden. Die Zusammenstellung des Clusters erfolgt in Interaktion mit den Teilnehmern, die ihre Vorstellungen zur Positionierung ihrer Begriffe einbringen und Einwände erheben können. Abschließend kommentiert der Teamer das fertige Cluster und fasst die entwickelten Komplexe zu Kunst zusammen. Das Cluster bleibt an der Wand befestigt, um im Verlauf der folgenden Einheiten einen Rückbezug herstellen zu können. Die Methode eignet sich insbesondere für Oberstufenklassen und Fortbildungen. In der Praxisphase wurde die Methode mit einer 9. Klasse durchgeführt, was zu erstaunlichen Ergebnisse führte. Das hier entstandene Cluster war von überraschender Komplexität und zeigte die Vielschichtigkeit des Begriffs Kunst, ohne in verkürzten Definitionsversuchen zu verhaften.

Material

Zeit:
1 Stunde

Alter:
ab 15 Jahre
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