Arbeitskreis Konfrontationen

Schichten der Gedenkstätte
3. Wer erinnert an wen?
Gedenk- und Erinnerungskultur im politischen Wandel

Die dritte Einheit beschäftigte sich auf der Grundlage der erarbeiteten Ereignisgeschichte mit den künstlerischer Ausdrucksformen des Gedenkens an die begangenen Verbrechen nach 1945. Wieder in Kleingruppen suchen die Jugendlichen drei Skulpturen und eine künstlerisch inszenierte Außenausstellung auf, um sie nach vorgegebenen Fragestellungen zu fotografieren. Ausgewählt wurden dazu die „Müttergruppe„ (1958) von Fritz Cremer, „Die Tragende“ (1959) von Will Lammert, das „Holocaust Memorial“ (1995) von Stuart N.R. Wolfe sowie die künstlerisch gestaltete Außenausstellung zum „Zelt“ (2005). Mit dieser Zusammenstellung werden jeweils zwei künstlerische Repräsentationsformen des Gedenkens vor und nach 1989 bearbeitet. Die fotografische Erkundung wird auch in dieser Einheit durch Textarbeit ergänzt.

Ablauf

Aufteilung der Teilnehmer in vier Kleingruppen, die mit Digitalkameras ausgestattet werden und sich für eine Skulptur bzw. Ausstellung entscheiden, die sie bearbeiten wollen. Die Teamer vermitteln den Gruppen ihren Arbeitsauftrag und teilen die Biographien zu den Künstlern aus.

Die Gruppe, die zum „Zelt“ arbeitet, erhält den Auftrag, ein Foto oder eine Zeichnung der Ausstellung zu fotografieren. Entscheidend ist, dass sie ihre Bildauswahl begründen können. Was vermittelt ihnen die Zeichnung/das Foto? Wie wirkt die Zeichnung/das Foto auf sie? Und welche Funktion hat die Zeichnung/das Foto in der Ausstellung? Warum wurde die Zeichnung/das Foto von den Ausstellungsmachern an der Stelle eingesetzt? Anhand der Ausstellungstexte kann sich die Kleingruppe die Geschichte des „Zeltes“ erarbeiten.

Die drei Gruppen, die Skulpturen vom Lammert, Cremer oder Wolfe ausgewählt haben, erhalten den Auftrag die Skulpturen zu fotografieren. Die Fragestellung bezieht sich zum einen auf die Intention des Künstlers, das heißt welche Gestaltungselemente der Skulptur sind von Bedeutung bzw. stehen für die zentrale Aussage des Denkmals? Was soll dadurch vermittelt werden? Mit der zweiten Perspektive sollen die Teilnehmer ihren persönlichen Blick einfangen. Hier kann ein Detail der Skulpturen oder eine persönliche Perspektive fotografiert werden, die für die Teilnehmer besonders aussagekräftig ist. Die Informationen auf der Tafel zur Skulpturengruppe von Stuart N.R. Wolfe werden von der entsprechenden Gruppe zusammen gefasst. Informationen zu den Skulpturen von Will Lammert und Fritz Cremer erhalten die Teilnehmer in der Ausstellung „Die Geschichte des Gedenkens“ auf Ausstellungstafeln, die von den Teamern vorgegeben werden.

Nach der Rückkehr der Kleingruppen werden die Fotos ausgedruckt und auf dem Plan der Gedenkstätte Ravensbrück, der bereits bei der vorherigen Einheit gezeichnet wurde, am entsprechenden Ort angebracht. In der abschließenden gemeinsamen Runde stellen sich die Kleingruppen ihre Fotos, die Biographien der Künstler und das Ergebnis ihrer Textarbeit gegenseitig vor. Die Teamer ergänzen im Anschluss jeder Kleingruppenpräsentation die Entstehungsgeschichte der Skulpturen bzw. der Außenausstellung und geben Erläuterungen zum Standort.

Der Projekttag endet mit einer gemeinsamen Abschlussdiskussion, die sich auf einen Vergleich zwischen den Denkmäler und Skulpturen, die vor und denen, die nach 1989 entstanden sind, konzentriert. Die Fragen zielen darauf, in wie weit die Kunstwerke, als Ausdruck des Gedenkens auch von nationalen, politischen Interessen und gesellschaftlichen Zuständen geprägt sind. Und ob sie dennoch den Freiraum und die Möglichkeit für einen zweckfreien individuellen Raum des Gedenkens und Erinnerns ermöglichen? Mögliche weitere Diskussionsansätze wären: Was gilt es heute zu vermitteln? Was wäre euer Auftrag an zeitgenössische Künstler heute?

Texte und Zeichnungen

„Holocaust Memorial“ Stuart N.R. Wolfe
Texte:
Ausstellungstafel zur Skulptur
Biographie Stuart N.R. Wolfe
„Die Tragende“ Will Lammert
Texte:
ausgewählte Ausstellungstafeln „Sprache des Gedenkens“
Biographie Will Lammert
„Die Müttergruppe“ Fritz Cremer
Texte:
ausgewählte Ausstellungstafeln „Sprache des Gedenkens“
Biographie Fritz Cremer
Ausstellung zum „Zelt“
Texte:
ausgewählte Ausstellungstafeln

Material

Zeit:
2½ bis 3 Stunden

Alter:
ab 15 Jahren
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