Arbeitskreis Konfrontationen

Statuentheater
– eine theaterpädagogische Einheit zur Denkmalskunst

Eine nicht-kognitiv angelegte Möglichkeit für die Arbeit mit den Inhalten und Darstellungen von Statuen und Denkmälern bieten Übungen, die dem „Theater der Unterdrückten“ entliehen oder diesem angelehnt sind. Die Übung des Statuentheaters baut darauf auf, dass Lernprozesse nicht ausschließlich über verbale und schriftliche Text- und Bildinterpretationen ablaufen, sondern, dass körperliche Erfahrbarkeit in ihnen eine wesentliche Rolle spielen kann. Das Statuentheater bietet eine Variante sich in Gesehenes einzufühlen, indem es nachgestellt wird. Die dabei verwendeten Techniken werden in unterschiedlichen Kontexten der politischen Bildungsarbeit eingesetzt. Sie sind einfach und auch mit größeren Gruppen ohne längere Planung durchführbar und nicht zwangsläufig an einen konkreten Ort gebunden. In diesem Modul wird die Übung mit einem Input an Sachinformationen über das dargestellte Denkmal kombiniert. Zudem ist diese Übung in eine weiterreichende Beschäftigung mit dem Thema Erinnerung und Gedenken an die Verfolgten des Nationalsozialismus eingebunden. Außerdem sollten grundlegende Informationen über das nationalsozialistische Lagersystem und die Situation der Häftlinge bei den Teilnehmern vorhanden sein.

Als Vorlagen für die hier vorgestellten Beispiele dienen Fotos von Denk- und Mahnmalen in den Gedenkstätten Ravensbrück, Buchenwald und Sachenhausen. Im Idealfall haben die Teilnehmenden die Denkmale besichtigt. Diese Möglichkeit ist selbstverständlich nicht immer gegeben, zumal wenn Denkmale thematisiert werden, die an unterschiedlichen Orten stehen. Je nach Schwerpunktsetzung lassen sich unterschiedliche Vorlagen von Denkmäler kombinieren bzw. können weitere hinzugefügt werden.

Ablauf

Für die Übung wird die Gruppe in Kleingruppen aufgeteilt, die jeweils ein Foto eines Denkmals, ein Informationsblatt mit der Künstlerbiographie sowie Informationen zum Kontext des Denkmals erhalten. Die Kleingruppen ziehen sich nun in unterschiedliche Räume oder Ecken zurück. Die Teilnehmer betrachten sich gemeinsam das Bild und teilen die Rollen der dargestellten Figuren auf: Ein bis zwei Personen jeder Gruppe schlüpfen in die Rolle von Bildhauern und dirigieren die anderen in die Positionen der einzelnen Figuren der Statue. Beim Aufstellen der Statuen sollte nicht gesprochen werden. Sobald die Statue steht, wird sie für einige Sekunden eingefroren und verbleibt in der arrangierten Position. Das Aufstellen und einfrieren der Statue wird einige Male wiederholt, wobei die Teilnehmer jedes Mal eine andere Figur darstellen und diese erfahren können.

Nach 20 Minuten versammeln sich die Kleingruppen wieder im Plenum und bauen für die Gesamtgruppe ihre Statuen abwechselnd erneut auf. Nach dem Auflösen jeder Figur berichten die Darstellenden über ihre Eindrücke und über eventuelle Schwierigkeiten in der Darstellung. Den Darstellern sollte genügend Raum gegeben werden zu erzählen, wie es ihnen in ihren Rollen ging, und ob sie ein Gefühl für die dargestellte Situation entwickeln konnten. Der geschichtliche und künstlerische Kontext des Originaldenkmals wird der Gesamtgruppe in wenigen Worten referiert und das Foto des Denkmals wird zur Besichtigung an der Wand befestigt. Reihum präsentieren alle Kleingruppen derart ihre Statuen. Die anschließende Gruppendiskussion behandelt die Frage, in wie weit die unterschiedlichen Kunstwerke die Realität in den Lagern widerspiegeln und inwiefern sie aus Sicht der Teilnehmenden für eine Repräsentation des Gedenkens geeignet scheinen.

Material

Fotos der Denkmale:
Ravensbrück: „Tragende“ von Lammert/Cremer, „Müttergruppe“ von Fritz Cremer

Buchenwald: Buchenwald-Denkmal von Fritz Cremer

Sachsenhausen: „Befreiung“ von René Graetz; Bronzegruppe von Waldemar Grzimek

 
Zeit:
1 Std. 30 Minuten

Alter:
ab 16 Jahre, die Übung ist besonders für bildungsferne Jugendliche geeignet. Gegebenenfalls können Informationen zum historischen Kontext und zur Künstlerbiographie durch das pädagogische Team bzw. den Lehrer erfolgen.
pdf - Version